unbekannter Gast

Mentalitäten und Konflikte#

Verabschiedung#

Bei meiner Verabschiedung im Jahr 2014 bezeichnete mich der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Jähnichen als sauerländischen Sturkopf. Das kann man ja als Beleidigung, als korrekte Beschreibung oder als Kompliment auffassen. Stefan Jähnichen konnte sich nicht so recht zwischen der zweiten und der dritten Alternative entscheiden. Unabhängig von der Antwort fand ich diesen Teil meines Charakters anfänglich als eher schlecht zur Jobbeschreibung eines wissenschaftlichen Direktors passend.

Tatsächlich führte er führte immer mal wieder zu interessanten Konflikten.

Man muss sich den Beginn der 90er Jahre im Saarland mit einer gewissen Aufbruchstimmung vorstellen. Nicht nur das Internationale Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik in Schloss Dagstuhl wurde im Saarland gegründet sondern auch das erste Max-Planck-Institut für Informatik und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. So viel Aufbruch gab es nicht sehr häufig im Saarland!

Als wir unseren Betrieb aufnahmen, sah die saarländische Politik große Chancen für die Förderung der lokalen Wirtschaft. Der lokale Supermarkt legte einen Wein auf, Marke Schloss Dagstuhl, der Tabakhändler wollte einen Automaten aufhängen.

Mein Einwand, solche Maßnahmen würden auf eine Interessensverquickung hindeuten, stieß bei den Politikern auf Unverständnis und wurde nur murrend akzeptiert. Bei der Möblierung des Schlosses stieß ich auf interessante Usancen der Baubranche, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Wir wählten dann zweckmäßige, schöne und solide Möbel aus, die auch 25 Jahre später ästhetisch und funktional befriedigen. Dass wir nicht „edlere“ Möbel auswählten stieß nicht überall auf Verständnis.

Mir war klar, dass ich mit den übergroßen Egos mancher Kollegen schlecht umgehen können würde. Deshalb hielt ich mich auch eigentlich für ungeeignet für die Leitung. Allerdings löste sich dieses Problem auf für mich überraschende Weise; ich stellte mit Erstaunen fest, dass durch den Erfolg und die allgemeine Wertschätzung Dagstuhls mir eine Autorität zuwuchs, die Diskussionen, auch mit den größten Egos sehr vereinfachten.

Kunst
Kunst. Und Bibliothek von außen. Foto: Presse Dagstuhl
Der größte Konflikt entstand über die Kunst. Inzwischen hat sich Schloss Dagstuhl im Saarland ja als eine gute Adresse für Ausstellungen etabliert. Der Erstkontakt mit der Kunst war aber eher schmerzlich. Als das Schloss um einen Neubau erweitert wurde, wurde ein „Kunst am Bau“-Verfahren angestoßen. Als Mitglied der Jury saß ich, zusammen mit dem Architekten des Neubaus staunend in der Jurysitzung. Wir beide mussten erfahren, wie wenig Architekt und Nutzervertreter ernst genommen wurden, besonders, wenn sie die bereits „gut vorbereiteten“ Entscheidungen gar nicht gut finden konnten. Der „Tatort“ des Wettbewerbs in diesem Verfahren war das neu gebaute Restaurant, ein äußerst kommunikativer Ort, wie jeder bestätigen kann, der einmal als Gast in Leibniz-Zentrum für Informatik gewesen ist. Dieser sollte in dem Verfahren mit visuellen und akustischen Animationen „möbliert“ werden. Das ließ massive Störungen der Kommunikation befürchten. Die Jury ließ sich von mir nicht von der Schädigung des Raums abhalten und stimmte mehrheitlich für einen pubertären Scherz mit sehr kurzer Halbwertzeit. Dieser Vorschlag wurde allerdings vom Minister zurück gewiesen, und in der Folge verwies der Landeskunstbeirat den Kunstetat an den Bauetat zurück. Damit standen wir mit leeren Wänden da.

Um die leeren Wände zu füllen ließ ich mir eine Methode einfallen, die Dankbarkeit unserer Gäste gegenüber Schloss Dagstuhl für das Spenden von Kunstwerken auszunutzen. Ich wählte Arbeiten aus, die wir erwerben wollten, teilte ihren Preis in Anteile handlicher Größe auf und bat anschließend unsere Freunde und Gäste auf einer Webseite, uns Anteile an diesen Werken zu spenden. Da die ausnutzbare Dankbarkeit gegenüber Schloss Dagstuhl groß war und ist, kam über die Jahre eine quantitativ und qualitativ ansehnliche Kunstsammlung zusammen. Bei größeren Anschaffungen, wie z.B. der Skulpturen von Sigrún Olafsdottir halfen zudem die Landeszentralbank Rheinland-Pfalz-Saarland (Hans-Jürgen Koebnick) und SaarToto (Kurt Bohr).

Rechnerausstattung#

Einen weiteren harten Konflikt gab es über die Rechnerausstattung des Zentrums. Als wir das Konzept dafür diskutierten, hörten wir das Gerücht, dass IBM und Siemens zwei Millionen DM für die Rechnerausstattung zur Verfügung stellen wollten. Es stellte sich aber heraus, dass die angebotenen Gerätschaften für unsere Zwecke ungeeignet waren, was man nicht hinnehmen wollte. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, fand ich zwei fast gleich lautende Briefe von IBM und Siemens vor, in denen sie mir mitteilten, dass sie „angesichts der geänderten Konzeption von Schloss Dagstuhl und der Herausforderungen in den Beitrittsländern“ außerstande sähen, irgend etwas für das Zentrum zu spenden.

Ich wurde zum Staatssekretär im saarländischen Wissenschaftsministerium zitiert, dem ich erklären sollte, wo wir jetzt diese verlorenen zwei Millionen DM herkriegen sollten. Der Staatssekretär, Rüdiger Pernice, verstand aber schnell die Situation und war offen für eine sachgerechte und zusätzlich kostengünstige Lösung des Rechnerausstattungsproblems. Überhaupt war Rüdiger Pernice, wie auch Kurt Mehlhorn, mein Hauptratgeber, in schwierigen Situationen immer wieder eine große Hilfe.

Die oben erwähnten unterschiedlichen Zielsetzungen der GI und der universitären Seite klärten sich recht einfach; nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass das von Oberwolfach überkommene Konzept erfolgreich war. Flugs erklärte sich die GI zur Mutter des Erfolges, und alle Probleme waren beseitigt.

Nach Wilhem #

(Nachbemerkung von Hermann Maurer)

Seidel
Seidel. Foto: Presse Dagstuhl
Heute wird Dagstuhl vom (Ex) Österreicher Raimund Seidel geleitet, der nach einer sehr erfolgereichen Karriere in der Theorie der Informatik seine Erfolge im Management der Universität des Saarlandes fortsetzte und sich nun auch als neuer Chef von Dagstuhl bewährt.

Waren es 2103 unglaubliche 75 Veranstaltugnen sind für 2017 heute (August 2017) schon 76 Veranstaltunten angekündigt, und für 2018 auch schon 53 Veranstaltungen.

Trotz höchsten Qualitästansrpüchen ist Dagstuhl immer voll ausgebucht!