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Schloss Dagstuhl#

Die Herrschaft Dagstuhl hatte eine sehr wechselhafte Geschichte, in welcher ein Trierer Fürstbischof, die französischen Revolutionstruppen und ab 1807 die Familie de Lasalle von Louisenthal eine Rolle spielten.

Der letzte in Schloss Dagstuhl lebende de Lasalle hatte bei einem Flugzugabsturz im Ersten Weltkrieg einen Dachschaden davon getragen, welcher sich in charakterlicher Instabilität äußerte. So gefiel es ihm am Ende des Zweiten Weltkriegs gar nicht, dass das Oberkommando der Westfront im Schloss saß.

Deswegen steckte er eigenhändig das Schloss an. Es verwundert nicht, dass zu seiner Zeit das Schloss ziemlich verwahrloste. 1959 verschwand de Lasalle schließlich im Merziger psychiatrischen Landeskrankenhaus.

1961 übernahmen dann die Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln aus Waldbreitbach das Schloss, mit dem Plan, dort ein Altersheim zu betreiben. Dieser Orden, der sich der Krankenpflege und der Sozialarbeit widmet, betreibt ungefähr so viele Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime wie die Leibniz-Gemeinschaft Institute hat, also etwas mehr als 80. Der Versuch, in Schloss Dagstuhl ein Altersheim zu betreiben, scheiterte allerdings, vermutlich, weil die Senioren nicht soweit ab vom Schuss leben wollten.

Bei der Renovierung des Schlosses waren die Nonnen allerdings von der allerseligsten Jungfrau Maria und allen Engeln verlassen worden. Sie hatten einen Architekten aus dem Nordsaarland beauftragt, der dabei seine Vision von einem Schloss realisiert hatte. Die Kritik an seinen stilistisch zweifelhaften und teuren Renovierungen hat ihn zutiefst verbittert.

Als das Saarland das Schloss kaufte und für den Betrieb als Informatik-Zentrum umbaute, gab der damalige Landeskonservator Peter Lüth, der mit Entsetzen die von seinem Vorgänger genehmigten Renovierungen betrachtet hatte, uns den Rat, „Behutsam zurück bauen!“, was wir dann auch getreulich befolgt haben.

Dagstuhl
Dagstuhl heute. Panorama. Foto: Presse Dagstuhle