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Die erste Praxiszone: Dorf 4.0#

(Eine Kooperation)#

von Martin Krusche

Das Projekt „Mensch und Maschine“ hat eine Schnittstelle zu einem Ensemble Kulturschaffender in der Oststeiermark. Diese Verbindung ist vorerst einmal zweierlei Aspekten der Wissens- und Kulturarbeit gewidmet.

Erstens soll unser „Projektlabor“ möglichst umgehend in die Praxis verzweigt sein, vorzugsweise in die der Provinz. Zweitens soll dort möglichst auch eine Experimentalsituation angelegt sein, die neuen Erfahrungen förderlich ist.

Drei Akteure des oststeirischen Netzwerkes, von links: Unternehmer Ewald Ulrich und die Künstler Winfried Lehmann und Martin Krusche. (Photo: Helmut Oberbichler)
Drei Akteure des oststeirischen Netzwerkes, von links: Unternehmer Ewald Ulrich und die Künstler Winfried Lehmann und Martin Krusche. (Photo: Helmut Oberbichler)

Die Zuschreibung „Provinz“ wird hier nicht despektierlich angewandt. Im Gegenteil!

Sie meint ein Arbeitsfeld jenseits des Landeszentrums, strukturell in alten Kategorien entstanden, wo heute über den Austausch und die Kooperation neue Beziehungsformen zwischen Zentrum und Provinz ausgelotet werden können.

Alte Kategorien?

Das bedeutet, während der vergangenen zweihundert Jahre hat Europa im Kielwasser der Industrialisierung sehr spezielle Zentrum-Provinz-Verhältnisse entwickelt, die durch ein Gefälle zugunsten der Zentren gekennzeichnet sind.

Spiegelt sich das auch in der aktuellen Landflucht, die in ganz Europa feststellbar ist?

Sie können die „alten Verhältnisse“ heute noch an vielen Details ablesen; zum Beispiel – naheliegend – an der Tatsache, daß fast drei Viertel des steirischen Kulturbudgets in der Landeshauptstadt Graz verbleiben.

Wie sich ein Dampfer nicht in die Kurve legt, ändern sich derlei strukturelle Gegebenheiten nicht über Nacht. Aber über spezielle Arbeitsweisen, über Modi im Umgang mit Aufgaben und Lösungen, läßt sich das partiell wandeln.

Wir haben im Projekt „Mensch und Maschine“ derzeit drei Bereiche angelegt, von denen zwei schon im laufenden Betrieb stehen:

  • Das Labor (aktiv)
  • Die Halle der besonderen Momente (in Vorbereitung)
  • Die Praxiszone mit den kulturellen Netzwerk-Anbindungen (aktiv)
Siehe dazu „Status 2017. Die Projektstruktur zum Auftakt“ (link)

Dem steht jenseits von Graz ein Netzwerk Kulturschaffender gegenüber, mit dem sich die Agenda des Wechselspiels von „Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft“ bearbeiten lassen:

  • Das Aprilfestival, eine mehrjährige Veranstaltungsreihe zur Kunst
  • Das Kunstsymposion, eine mehrjährige Veranstaltungsreihe zur Kunst
  • Dorf 4.0, eine Kooperation von drei Dörfern
  • Die Quest, ein Kunstprojekt
  • Mythos Puch, eine mehrjährige Veranstaltungsreihe zur Mobilitätsgeschichte

Zu diesem Setting bietet das Blogmobil, ein fahrbares Medienlabor, seit mehreren Jahren die flexible Schnittstelle, zugleich ein Angelpunkt in den Übergängen vom analogen zum virtuellen Raum. Das heißt, Raumüberwindung findet auf mehreren Ebenen statt, die statischen Momente des Gesamtvorhabens sind ausreichend mit dynamischen Faktoren erweitert.

Drei Bürgermeister des Netzwerkes, von links: Peter Moser, Werner Höfler und Robert Schmierdorfer. – (Foto: Martin Krusche)
Drei Bürgermeister des Netzwerkes, von links: Peter Moser, Werner Höfler und Robert Schmierdorfer. – (Foto: Martin Krusche)
Das Blogmobil als fahrbares Veranstaltungszentrum. – (Foto: Martin Krusche)
Das Blogmobil als fahrbares Veranstaltungszentrum. – (Foto: Martin Krusche)
Talking Communities: Laufende Diskursarbeit ist im Netzwerk Standard. – (Foto: Martin Krusche)
Talking Communities: Laufende Diskursarbeit ist im Netzwerk Standard. – (Foto: Martin Krusche)
Kunstpraxis Fokus Freiberg: Graphic Novelist Chris Scheuer während eines Konzertes. – (Foto: Martin Krusche)
Kunstpraxis Fokus Freiberg: Graphic Novelist Chris Scheuer während eines Konzertes. – (Foto: Martin Krusche)

Hier hat nun das Labor des Projektes „Mensch und Maschine“ angedockt. Ferner steht ab der zweiten Jahreshälfte eine Kooperation mit dem Grazer GISAlab ins Haus, ein Projekt, welches „Girls in Science and Art“ gewidmet ist, also Kindern und Jugendlichen. In diesem Labor ist Dipl. Ing. Mirjana Peitler federführend, derzeit in Deutschland für Renesas Electronics tätig, Fachbereich Functional Safety.

Zum oststeirischen Hintergrund: Die Bürgermeister Robert Schmierdorfer (Albersdorf) und Peter Moser (Ludersdorf) realisierten vom 1.7.2016 bis 31.12.2016 das LEADER-Kulturprojekt „Landwirtschaft-Wirtschaft 4.0 und die Auswirkungen auf die Mobilität“ in der Energieregion Weiz-Gleisdorf. Das war ein Vorhaben im Rahmen des österreichischen Programms für die ländliche Entwicklung 2014 – 2020.

Dieses Projekt war der erste formelle Rahmen für die Kooperation der drei Gemeinden, nämlich Albersdorf-Prebuch, Hofstätten an der Raab und Ludersdorf-Wilfersdorf, basierend auf mehrjährigen Arbeitskontakten zu kulturellen Veranstaltungen in den Jahren davor.