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Notiz 073: Einige G-Details#

von Martin Krusche

Die offizielle Legende besagt, daß der Schah von Persien sich als Aktionär allerhand wünschen konnte und mit seinen Wünschen nicht ignoriert werden konnte. Die Entwicklung des Puch G sei darin begründet, daß er einen brauchbaren Jagdwagen benötigt habe. Es sind Fotos erhalten, auf denen sieht man den iranischen Herrscher im Steyr-Puch Haflinger. Es gab also Kontakte. Aber! Ferdinand Micha Lanner schrieb mir zu einem Blatt meiner Routen neulich: „So ganz glaub ich das nicht mit dem Schah. Ich weiß noch, dass bei uns (Daimler Benz-AG) ca. vor 1977 die Protos fuhren und eine der schon Jahre vorher festgelegten Prämissen war, eine Art Welt-Auto wie den Landrover zu bauen, das in jedem Dritte Welt-Dorf repariert werden könnte, auch an der Karosserie. Deshalb einfach abkantbare Bleche.“

Dieser G-Wagen war für die Armee Jugoslawiens adaptiert. (Archiv Fredi Thaler)
Dieser G-Wagen war für die Armee Jugoslawiens adaptiert. (Archiv Fredi Thaler)

Da ist mir schon gedämmert, daß es eine naive Vorstellung ist, ein Fahrzeug aus dem Bereich der Massenproduktion könnte im Partikularinteresse eines Prominenten wurzeln. Dafür haben reiche Leute adäquate Anbieter zur Hand, die solche Wünsche bedienen. Aber Nutzfahrzeuge?

Lanner weiter: „Es war der Druck vom Marketing, die einen billigen 0,7 to Allrad-Last- und Personenwagen haben wollten. Das Händlernetz gab es ja, weltweit (Nutzfahrzeuge). British Leyland (Landrover) war dabei, von den Japanern (Landcruiser) abgehängt zu werden und der Bedarf war da.“

So wird nun in Dimensionen von Automobilentwicklung auf dem Feld der internationalen Konzerne gedacht. Lanner: „Dass es kein Billigprodukt werden würde, war aber schon klar, als die ersten Militärforderungen, die unimogähnliche Fähigkeiten forderten, auf dem Tisch lagen, was seitens Puch (mit den Pinzgauer-Erkenntnissen) als kein Problem angesehen wurde, aber alle wußten, dass auch bei größeren Stückzahlen kein billiges Auto möglich sein würde. Ein Erfolg wurde er trotzdem. Nur anders, auf Boulevards und bei Militärs, statt im afrikanischen Busch.“

„na, du machst mir wieder arbeit“, hab ich geantwortet, „ich werd amal bei rudolf nachfragen…“, was Markus Rudolf meint, der mit dem Puch G quasi aufgewachsen ist. Bezüglich Schah schrieb ich an Lanner: „ich hielte es ja für möglich, daß es eine schöne legende ist. was du an praktischen überlegungen hier vorbringst, scheint mir für eine große company viel plausibler. wie gesagt, gut denkbar, daß man in graz die schah-story mochte, während in stuttgart so ein gschichterl gar keine rolle spielte.“

Markus Rudolf präzisierte zu diesen Fragen: „Michael Lanner liegt schon richtig; man sieht am Prototypen von 1974 auch die einfachere Blechgestaltung (z.B. im Bereich zwischen Scheinwerfer & vorderem Rad-Ausschnitt). Das Fahrzeug hatte auch noch Blinker im 'Motorrad-Stil', welche am Kotflügel aufgesetzt waren.“

Wie interessant wäre eine kleine Stilkunde der Fahrzeuge, die von der Steyr-Daimler-Puch AG produziert wurden! Industriedesign ist ein fesselndes Thema, das mit seinen Ergebnissen an allen Ecken und Ende in unseren Alltag hereinreicht. Automobildesign ergibt dabei einen wuchtigen und wirkmächtigen Schwerpunkt.

Rudolf weiter zum G-Wagen: „Die erste Karosse war daher auch aus gekanteten Blechen, welche dann vom 'MB Styling' überarbeitet wurden. Die ebenen Flächen aber sind geblieben, was bis zur neuen Generation (2018) zu entsprechenden Problemen in Fertigung und Finish führte. Es gab - jedenfalls von Puch Überlegungen, günstigere Standard-Achsen (MB Kassel war nie billig) sowie günstigere Motoren ein zu setzen. Jedenfalls in Erinnerung sind mir je ein Fahrzeug mit BMW 323i sowie BMW 3.0i Motor in Verbindung mit einem GETRAG 5-Gang Getriebe geblieben, die Ende der 70er Anfang der 80er im Versuch gelaufen sind.

Vorserienmodell von 1978. (Archiv Fredi Thaler)
Vorserienmodell von 1978. (Archiv Fredi Thaler)

Es gab auch, so um 1980 ein BM3 Fahrzeug, welches von BBC mit einem Comprex-Lader (Basis MB 300 5-Zylinder Diesel) ausgestattet war. Ich glaube es war sogar im Eigentum von BBC (BrownBoveri).“

Für mich liegt übrigens ein besonderer Reiz darin, solche Details nicht aus Papieren zu schürfen, sondern von Menschen zu erfahren, die da und dort dabei waren, als das geschah. Dabei ist dann die Internetpräsenz sehr nützlich, weil sie flexible und dynamische Modi erlaubt. (Wenn ein Buch gedruckt ist, war’s das.)

Rudolf merkte noch an: „Der fünftürige Prototyp hat sicher länger überlebt und wurde später mit einem viertürigen Planaufbau gefahren. Noch später dann mit einem zweitürigen Verdeck (quasi Pick up) und versuchsweise mit einem (noch nicht gedrosselten) 280E Motor mit 185 PS! So erleichtert waren die Fahrleistungen sehr ansprechend; in meiner Erinnerung konnte man damit die Weinebene bergauf durchaus (damalige) Motorräder ärgern.“

Dazu Lanner mit einem Aspekt, den alle Petrol Heads als Ärgernis empfinden: Abgaswerte: „Nur noch zum 280E Motor. Die 177 PS waren die spätere Leistung. Zuerst hatten alle 185 PS (die letzten /8 280E, die S-Klasse und die ersten 123er 280E). Dann kamen Abgasgesetze und alle Pkw hatten reduzierte Leistung.“