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Notiz 064: Die Reisenden#

von Martin Krusche

Man könnte sagen, der Begriff Hotelbett ließe sich zerlegen und motorisieren. Hotel und Bett mag dann mit dem Wort Haflinger zusammengefaßt werden. Gut, das ist jetzt nicht die Luxus-Abteilung mit allerhand Sternen, sondern etwas viel Ursprünglicheres.

Schöner Wohnen unterwegs. (Foto: Martin Vormann)
Schöner Wohnen unterwegs. (Foto: Martin Vormann)

Wer sich ein wenig mit der Automobilgeschichte befaßt hat, findet in der Zeit zwischen 1900 und 1906/1907 allerhand kompakte Fahrzeuge, deren Motoren ein bis zwei Zylinder hatten. Dafür war in Österreich der französische Begriff Voiturette sehr verbreitet. (Im Englischen nannte man so kleine, offene Zweisitzer zum Beispiel Runabout.)

Das werte Publikum wünschte natürlich sehr bald, was ein legendärer Heimwerkerkönig des Vorabend-TV kurz und bündig so auszudrücken pflegt: „Mehr Power!“ Also wurden Vierzylinder entwickelt und verbaut, bald auch Sechszylinder. Es folgte ein sprunghaftes Motorenwachstum.

Was man braucht, wird mitgeführt. (Foto: Martin Vormann)
Was man braucht, wird mitgeführt. (Foto: Martin Vormann)

Man kann sich leicht vorstellen, wie knifflig es etwa gewesen sein muß, die Kurbelwelle für einen Reihenachtzylinder zu schmieden und solide zu lagern. Das zentrale Motto: Laufruhe.

Schlag nach unter Bugatti Type 41, genannt Royale, eine Langfuhre von 1926! Noch heftiger: der Cadillac V16 von 1931. Gut, diese Geräte waren und sind außerhalb der Reichweite des Volkes aufgestellt.

Und dann wäre da der Robuste Haflinger, von der Dimension her wie eine Voiturette des Jahres 1904, bloß ein wenig stärker und mit Platz für vier Leute. Es ist uns gar nicht mehr bewußt, wie sehr Ledwinka bei dieser Konstruktion sozusagen an der Basis der Automobilgeschichte blieb.

Der standfeste Zweizylinder-Drosselmotor, in dem einige Teilen schon ab Werk mit spezieller Oberflächenveredelung aufgewertet wurden, läßt sich freilich problemlos ein wenig leistungsstärker machen. Das soll unter Fans vorkommen.

Schließlich hat der Enthusiast dann jede Freiheit, die „rasende Bodenplatte“ nach eigenem Geschmack zu adaptieren, umzurüsten. Der Hafi wurde zwar nicht für das Langstrecken-Segment konstruiert, aber er ist selbstverständlich reisetauglich; wenn man ohne Komfort existieren kann und sich Zeit nehmen mag.

Das versteht man unter einer Voiturette: Albl Phönix von 1902, in Graz produziert. (Foto: Martin Krusche)
Das versteht man unter einer Voiturette: Albl Phönix von 1902, in Graz produziert. (Foto: Martin Krusche)

So hält es etwa Martin Vormann, der mir immer wieder Bilder von unterwegs schickt. Seine Eignung für das Hafi-Reisen hat er davor bei ausladenden Fahrradtouren errungen. Wer etwas zügiger vorankommen möchte, weil es eventuell um die halbe Welt gehen soll, wird etwas mehr Tempo und mehr Ladekapazität brauchen.

Dazu mag man sich eventuell für einen Pinzgauer entscheiden. Das erinnert mich grade an ein Fahrzeug von Luis Schadler. Der hat sich für weite Strecken, auf denen es manchmal etwas eintönig hergeht, links ein zweites Gaspedal eingebaut, damit das rechte Nein nicht die ganze Arbeit allein machen muß.

Bei so viel Gegend braucht man auch reichlich Vorräte an Bord. (Foto: Lorenz Rohde)
Bei so viel Gegend braucht man auch reichlich Vorräte an Bord. (Foto: Lorenz Rohde)

Lorenz Rohde ist ein sehr erfahrener Offroader, dem die Zeit stets zu knapp ist, geht bezüglich Pinzgauer vieles durch den Kopf. Zum Beispiel:

„Versionen des TD Pinzgauers müsste man durchleuchten, Protector, Mantis, Pinzgauer 2, Vector, Fitted for Radio, Winterized TD Pzg, Waterized TD Pzg, Waffenträger in Kurz (tödlicher Unfall damit auf dem Schöckl), Sonderversionen der omanischen und saudischen Armeen …“

Eine Welt voller Details, unerschöpflich, all das verstreute Wissen und diese unterschiedlichen praktischen Erfahrungen. Rohde hat mir dazu dieses Foto mit den zwei Pinzgauern auf den Dünen geschickt.


Post aus St. Anton#

Steyr Puch Haflinger Clubs und Freunde aus England, Frankreich, Ungarn, Italien, der Schweiz und Deutschland, der größte Teil, natürlich Freunde aus Österreich, treffen sich hier bei guter Witterung, eingeladen von den Puch Haflinger Freunden Tiroler Oberland zu gemeinsamen Ausfahrten in die traumhafte umliegende Bergwelt.
(Foto: Martin Vormann)
(Foto: Martin Vormann)

Diese Treffen dienen nicht nur dazu sich den Ausfahrten zu widmen, es ist das Wiedersehen mit langjährigen Freunden, die das Hobby, Steyr Puch Haflinger, weiter leben. Deutlich zu erkennen, daß dieses grandiose Fahrzeug ein wirkliches KULTURGUT aus Österreichischer Produktion ist.

Gleich, aber trotzdem jeder Haflinger für sich eigen und unterschiedlich hergerichtet oder ursprünglich gelassen, zeigen die vielfältige Einsatzmöglichkeit dieser beispiellosen Konstruktion.

Die Organisatoren, Familie Bubik, entwickelten über ein Jahr hinweg, auch mit der Gemeinde St. Anton, eine einmalige Möglichkeit unsere Lieblinge artgerecht zu bewegen. Feriengäste hier bestaunen unsere Fahrzeuge, es gibt interessante Gespräche, bisher ist die Wetterlage herrlich, wir erkennen, auch der Schöpfer hält seine schützende Hand über das Vorhaben.

Noch aus St. Anton,
der Sauerländer Puchianer Martin