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Notiz 031: G wie Genf#

von Martin Krusche

Was hat sich jüngst getan? Eben ging der Genfer Automobilsalon über die Bühne. Ich hab im vorigen Eintrag den alten Abarth Rekordwagen gezeigt, den mir Toyota-Marketingchef Norbert Gall dort fotografiert hat. Von ganz anderer Art ist der Beitrag, den Magna Steyr beim Automobilsalon zeigte.

Magna Steyr beim Genfer Automobilsalon 2019. (Foto: Magna Steyr)
Magna Steyr beim Genfer Automobilsalon 2019. (Foto: Magna Steyr)

Die Formulierung Complete Vehicle Manufacturing sollte endlich klar machen, wie gründlich sich die Automobilproduktion in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Zeit, da Firmengründer mit ihren Familiennamen eine Automarke ergaben, für die unter einem gemeinsamen Konzerndach produziert wurde, ist schon lange vorbei.

Magna Steyr baut für andere. Dahinter steht historisch, daß Gründer Frank Stronach als Zulieferer groß wurde, also Automobilproduzenten mit Komponenten belieferte. Das Foto aus Genf veranschaulicht diese Entwicklung. Vorneweg das Modell der G-Klasse, von der man heute natürlich nicht mehr sagen kann, dies sei ein Puch G.

Allerdings sieht die aktuelle G-Klasse dem 1979er G-Wagen allerweil noch ähnlicher als ein heutiger VW Golf dem Einser-Golf. Das sind also technische Entwicklungssprünge, aber auch Wandel in den visuellen Codes und in den sozialen Bedeutungen von Fahrzeugen. (Sie können den historischen Vergleich derzeit im Johann Puch Museum Graz anstellen, wo eine Sonderschau zum Thema gezeigt wird.)

Die neue G-Klasse neben einem Ur-G im Grazer Johann Puch-Museum. (Foto: Martin Krusche)
Die neue G-Klasse neben einem Ur-G im Grazer Johann Puch-Museum. (Foto: Martin Krusche)

Gesamt betrachtet ist vor allem interessant, daß der G-Wagen als „Haflinger 2“ in einer Tradition steht, die anschaulich macht, wie sich Bedarfslagen nach dem Zweiten Weltkrieg rapide veränderten. Da ging es beim Nutzfahrzeug natürlich um Ladekapazität. Das hat im militärischen Bereich unter anderem auch mit der „Luftverlastung“ zu tun, also etwa mit dem Leistungsvermögen von verfügbaren Hubschraubern, um die Dinger wegzuheben.

Ich bestaune heute noch, daß ein kantiges Arbeitstier wie der G-Wagen so tiefgreifend in zivilen und privaten Breichen reüssieren konnte, dabei sogar das Zeug zum Lifestyle-Produkt im Luxus-Segment zeigt. Eine verblüffende Bandbreite, die von Graz aus beliefert wird. Und der Haflinger?

Die vom Militär ausgemusterten Fahrzeuge waren oft nahe am Verrotten, sind seinerzeit nicht sehr pfleglich behandelt worden. Das hat sich radikal verändert. Wer heute einen guten Haflinger erwerben will, muß finanziell belastbar sein.