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Notiz 097: Mopedverschandelung?#

von Martin Krusche

Oh, was für ein schönes Thema kommt da auf uns zu! Zuerst aber: Manuel Wutti (Puch Club-Magazin) wollte sich von Einschränkungen und galoppierender Planungsunsicherheit nicht beeindrucken lassen. Er ist Teil eines Netzwerkes beherzter Leute, die ihm versprachen, daß sie bei seiner Idee mitziehen, egal, ob die Veranstaltung dann umgesetzt werden kann oder von der Behörde untersagt wird.

Zierlich, zäh und quietschsauber wie eine Primadonna (Foto: Martin Krusche)
Zierlich, zäh und quietschsauber wie eine Primadonna (Foto: Martin Krusche)

Welche Veranstaltung? Das 2020 Moped Beschleunigungsrennen (MBr2020) in der Oststeiermark. Es blieben ihm alle Leute im Wort. Trotz einiger holpriger Passagen wurde es ein sehr lebhafter Samstag, dem das miese Wetter eine ausreichend große Lücke akzeptabler Bedingungen aufgemacht hat.

Ich hab daran zwei Dinge genossen. Erstens waren da ziemlich viele gutgelaunte Leute zu treffen. Uff! Dieses Jahr hatte seine trüben Momente. Da konnte ich diese fröhliche Atmosphäre sehr gut brauchen.

Zweitens war da ein wunderbar kontrastreiches Feld von Fahrzeugen. Verstehen Sie mich recht, ich bin ein alter Puchianer. Aber fünfzig Puch Maxi anschauen und sonst nix, das wäre jetzt nicht meine Traumsituation gewesen.

Stattdessen dieses bunte Setting. Mopperln in der ganzen Bandbreite vom gepflegten Originalfahrzeug über kühn modifizierte Custom Bikes zu totalen Ratten-Eisen. Hier eine zierliche, aber zähe und quietschsaubere Moped-Primadonna, da ein Rammbock von Moped.

Hier ein Dirtbike mit Stoppelreifen, da ein etwas mehr als knöchelhohes Drag Bike. Hier ein Mofa mit Anhänger und Bierkisten, da eine räudige Daisy, eine Puch DS 50, die – zu meiner Überraschung – keineswegs das langsamste Mopperl des Bewerbes war.

Die Ratten-Daisy war fit wie ein Athlet. (Foto: Martin Krusche)
Die Ratten-Daisy war fit wie ein Athlet. (Foto: Martin Krusche)

Inzwischen kamen via Social Media allerhand Rückmeldungen, wie zum Beispiel: „Mopedverschandelung auf höchsten Niveau“. Das Thema finde ich sehr interessant, weil ich seit vielen Jahren Stimmen höre, die das Modifizieren von Fahrzeugen herzlich verdammen. Wo es um Klassiker geht, kenne ich hauptsächlich vier markante Positionen.

1. Position#

So Konservieren, wie man das Fahrzeug vorgefunden hat. Jeder Quadratzentimeter Originallack ist ein Schatz. Die ursprüngliche Substanz so gut es geht erhalten, damit sich auch die verflossene Zeit darstellen läßt.

2. Position#

Restaurieren, um den einstigen Zustand ab Werk wieder herzustellen. Keine Schraube mit dem falschen Schraubenkopf reindrehen, keine Materialien verwenden, die es seinerzeit nicht gab oder die bei dem Modell nicht vorkamen etc.

3. Position#

Überrestaurieren, damit es mir gefällt. Ich bringe das Fahrzeug auf ein Niveau, wie ich es für attraktiv halte, auch wenn es damals beim Produzenten niemanden interessiert hätte, derart ins Detail zu gehen. So schön ist das Teil nie aus dem Werk gekommen.
Das kommt ein wenig teurer als ein Original. (Foto: Martin Krusche)
Das kommt ein wenig teurer als ein Original. (Foto: Martin Krusche)

4. Position#

Ratten-Eisen: Ich restaurieren nicht, ich mach das Teil technisch stabil und helfe vielleicht beim Rost noch ein wenig nach, damit es richtig brutal ausschaut. Die Leute sollen sich ruhig aufregen und denken: „Hilfe! Das gibt’s ja nicht.“ Oder: „Sowas müßte verboten sein.“ Das find ich lustig.

Gibt es nun gute Gründe, die sich verhandeln ließen, weshalb eine diese Positionen über den anderen stehen müßte?