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Wir bewegen Tradition#

Die Österreichische Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen#

von Martin Krusche

Lisl Mesicek ist Vizepräsidentin der ÖGHK, der Österreichischen Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen. Sie leitet außerdem die Redaktion der Motor Veteranen Zeitung. Das ist Österreichs ältestes Veteranenjournal.

Ich habe Heinz und Lisl Mesicek im oststeirischen Gleisdorf kennengelernt. Dort machte die Löwen-Rallye Station. Gottfried Lagler war mit der Organisation vor Ort befaßt. Sehen Sie dazu den Bericht auf Seite 3 der MVZ-Ausgabe No. 148: (PDF)

ÖGHK-Vizepräsidentin Lisl Mesicek in der Garage - (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Heinz Mesicek)
ÖGHK-Vizepräsidentin Lisl Mesicek in der Garage - (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Heinz Mesicek)

Das Ehepaar kam in einem hinreißenden Steyr Cabrio an. Ein rollender Beleg dafür, daß Österreichs Automobilindustrie von Beginn an Weltrang hatte. Man bekommt die frühen Fahrzeuge heute kaum noch in freier Wildbahn zu sehen.

Mesiceks Steyr 120 Super Cabrio trägt auf dem Kühler das Zeichen von Austro-Daimler. Es ist ein Auto aus der Fusions-Phase von Steyr und Austro-Daimler. Später kam noch Puch dazu, das wurde schließlich die Steyr-Daimler-Puch AG.

Die Passion des versierten Paares begann vor Jahrzehnten mit einem gebrauchten Ford, der als Zweitwagen für den Alltag angeschafft worden war und heute noch in der Garage steht. Heinz und Lisl Mesicek haben ihren Sammelschwerpunkt auf die Marke Steyr gelegt, sind aber nicht nur mit dem Erhalt dieser österreichischen Perlen befaßt, deren älteste ein Steyr IV von 1922 ist.

Das kulturgeschichtliche Engagement ist damit zwar verzahnt, hat aber eine ganz andere Dimension. Lisl Mesicek: „Im Jahr 1976 entschloß sich eine Gruppe von Kfz-Technik-Historikern, sich mit einer eigenen Vereinigung selbständig zu machen und eine Gesellschaft zu gründen, die mit Ernst und Konsequenz die geschichtliche Entwicklung des Kraftfahrzeuges der Bevölkerung näher bringt.“

Zur Zeit haben die fast 2.000 Mitglieder im Bundesgebiet über 3.800 historische Kraftfahrzeuge gemeldet. Das bedeutet: „Unter diesen vielen Zeugen der Automobilvergangenheit gibt es vom makellosen Unikat bis zum zeitgenössischen Serienfabrikat praktisch alles, was je auf Straßen oder auch auf Rennbahnen zu sehen war.“

Laien haben keine Vorstellung, wie enorm anfällig Fahrzeuge für alle Arten von Standschäden sind. Dieses technische Kulturgut ist dabei letztlich ebenso empfindlich wie es alte Musikinstrumente sind. Wir verlieren sie, wenn sie ungenutzt bleiben. Selbst Unikate müssen gefahren, in Betrieb gehalten werden, wenn sie nicht Schaden nehmen sollen.

Bei der ÖGHK gilt daher als vorrangig, daß die Vehikel „vor dem Verkommen oder Verschrotten gerettet und der Nachwelt überliefert werden können. Nicht zu vergessen, dass die Restaurierung selbst, das Warten bis die leider oft fehlenden oder zerstörten Teile beschafft oder nachgefertigt werden können, neben der angestrebten Inbetriebnahme des geliebten Veteranen mitunter den noch größeren Reiz dieser besonderen Freizeitbeschäftigung ausmacht.“

Das Steyr 120 Super Cabrio bei der Löwen Rallye. - (Foto: Martin Krusche)
Das Steyr 120 Super Cabrio bei der Löwen Rallye. - (Foto: Martin Krusche)
Das prägnante Austro-Daimler Logo auf dem Steyr-Kühler. - (Foto: Martin Krusche)
Das prägnante Austro-Daimler Logo auf dem Steyr-Kühler. - (Foto: Martin Krusche)
Von links: Lisl und Heinz Mesicek im Gespräch mit Gottfried Lagler). - (Foto: Martin Krusche)
Von links: Lisl und Heinz Mesicek im Gespräch mit Gottfried Lagler). - (Foto: Martin Krusche)

Das maßgebliche Motto der ÖGHK lautet daher: „Wir bewegen Tradition!“ Die Vielfalt der Themen verlangt nach sehr unterschiedlichen Menschen, die sich engagieren, nach vielen Talenten. Ergo: „In den meisten Bundesländern bemüht sich ein kleiner Stab, die Landesgruppe, um die regionalen Verpflichtungen der Gesellschaft ihren Mitgliedern gegenüber. Untergruppen, Markenclubs haben zur Gesellschaft gefunden, aber auch eine Abteilung für Elektromobile, eine eigene Motorradsektion und eine Aktivgruppe für Gelände- und Nutzfahrzeuge kümmern sich um Spezialinteressen der Mitglieder.“

Das Organ der Gesellschaft, die hier schon erwähnte MVZ, „berichtet aktuell über die Aktivitäten der ÖGHK wie: den Ergebnissen der Mitarbeit in den gesetzgebenden Körperschaften, Klub-internen Ereignissen, technischen Neuerungen in der Kfz-Welt und natürlich über Veranstaltungen, wie Flohmärkte und über private Verkäufe.“

Dazu kommt eine besondere Ambition am Vorabend völlig neuer Verkehrskonzepte, deren Umsetzung wir womöglich noch erleben werden, unsere Kinder und Enkel auf jeden fall, was zu ganz anderen Fahrzeugarten führen wird. Es geht daher „als Auftrag und Gebot der Stunde“ darum, "alte Handwerkskunst, technik- historisch und kunsthistorische Werte, sowie nicht mehr aktuelle Kfz-Technik, durch entsprechende Beiträge, den Aktivisten wieder ins Gedächtnis zu rufen und der Jugend vorzustellen.“

Das älteste Klassiker-Journal Österreichs. - (Quelle: ÖGHK)
Das älteste Klassiker-Journal Österreichs. - (Quelle: ÖGHK)

Das geschieht hier in Theorie und Praxis, also nicht bloß medial vermittelt, sondern auch in realen sozialen Begegnungen. Übrigens, die MVZ erscheint, je nach bedarf, drei bis vier Mal im Jahr und wird den ÖGHK-Mitgliedern kostenfrei per Post zugestellt.

Damit die Inhalte der MVZ allen Interessierten zugänglich sind, wird diese auch im Internet verfügbar gemacht, wo die einzelnen Ausgaben als PDF-Dokumente heruntergeladen werden können. Siehe: (link)

Post scriptum:

Wenn ich nun diesen kleinen Bericht auch in den Bereich „Wir sind Ikarier“ einreihe, dann keinesfalls, weil an dieser Interessensgemeinschaft etwas vom Halsbrecherischen des Ikarus wäre. Ganz im Gegenteil. Gerade hier ist das Bedachte zu finden, das handwerkliche Können, der sorgsame Umgang mit den Vehikeln. Man könnte sagen, hier herrschen die Prinzipien des Daedalus.

Aber das ist eben auch fundamentaler Bestandteil unseres abendländischen Mythos’, der uns gesamt als eine „Kultur des Ikarischen“ erscheinen läßt. Da ist also der Homo faber, wie man in der Anthropologie annimmt, der schaffende Mensch. Indem er sich technische Prothesen schafft, geht er an Grenzen, die ohne solche Prothetik gar nicht erreichbar wären. Eine bemerkenswerte, radikale Nische unserer Kultur.

+) Ein Beitrag zu "Wir sind Ikarier" (link)

+) Die ÖGHK im Internet (link)

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