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Franz Lehár#


von

Guido P. Saner

Dieser Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Guido P. Saner (WAM WienArt Musikexkursionen KEG), Nov. 2009


Franz Lehárs Vorfahren waren bis anfangs des 18. Jh. Kleinbauern, Glaser, Tischler, Gastwirte in Lesnitz und Brünnles bei mährisch-schlesisch Neustadt (Ostsudetenland); Der Name ist tschechischen Ursprungs. Nach der Heirat des Vaters, des Militärkapellmeisters Franz sen. mit der Ungarin Christine Neubrandt fügt Lehar das ungarische Dehnungszeichen " ´ " hinzu.; Franz jun. signiert mit „Lehár Fz“ (= Ferencz). Kindheit und Jugend in Pressburg (heute: Bratislava) und Ödenburg (heute: Sopron); Volksschule in Karlsburg und Klausenburg. Gymnasium in Budapest und deutsche Volksschule in Sternberg und Prag. Erster Musikunterricht am Nationalkonservatorium Budapest bei Stefan Tomka (Geige und Orgel), mit 11 Jahren am Konservatorium Prag bei Karl Komzák. Stundenlanges extremes Üben und Hungerzeiten! Auf Anraten Dvoráks beginnt Lehár zu komponieren. Eltern und beide Kinder übersiedeln vorab nach Wien; Franz bleibt bis Studienabschluss in Prag. 12.7.1888 Austrittsprüfung am Rudolfinum und 1. Violine am Stadttheater Elberfeld-Barmen für mtl. 150 Mark.

Der Militärkapellmeister#

Doch der Vater beordert Franz nach Wien zurück, Eintritt in Vaters Militärkapelle Inf. Rgt. Nr. 50; Konzerte im Wiener Stadtpark. Pultnachbaren waren Leo Fall und Edmund Eysler. Zu dritt Studium der Lied-, Klavier- und Instrumentalwerke großer Komponisten. Militärkapellmeister, mit 20 Jahren jüngster Militärkapellmeister der Armee, beim 25. Inf. Rgt. in Losoncz a.d. Eipel. Eklat mit Major (Titulierung Zigeuner-Geiger)! 1894 Versetzung nach Pola (Kroatien) in die damals größte österreichische Adria-Kriegshafenstadt. Ehrung durch den deutschen Kaiser Wilhelm II. 1894 und Einladung mit Orchester zur Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals nach Kiel am 18.6.1895. Erneuter Opernversuch („Kukuschka“) am Leipziger Stadttheater angenommen. Aufgabe der Stelle als Marine-Kapellmeister. Rückkehr in die Wohnung der Eltern nach Budapest; brüsk abgewiesen wegen angeblicher Leichtsinnigkeit und Arroganz! Erneut Militärkapellmeister beim Inf. Rgt. 87 Wien für seinen erkrankten Vaters (verstorben am 7.2.1898). Unterstützung durch die Mutter und Beendigung der Militärkapellmeisterstelle. Operettenflaute nach dem Tod von Johann Strauss (Misserfolg „Wiener Blut“ am Carl-Theater; Direktor Jauner erschießt sich!) und der erfolglosen Werke Carl Millöckers 1899.

Lehár wird wieder Militärkapellmeister beim Inf. Rgt. 26. 1900-02 erfolgreiche Walzer-Zyklen; "Lehár-Walzer" werden zum Begriff. Austausch mit Michael Ziehrer und Uraufführung des Welterfolgs "Gold und Silber" am 27.1.1902 zur Eröffnung der "Concordia-Bälle". Verleger Julius Chmel zahlt dafür 50 fl.; verdient ein Vermögen. Inf. Rgt. 26 nach Györ (Raab) verlegt, Lehár verbleibt aber 32-jährig ohne Anstellung in Wien. Großmutter Goger (92 J.) stimmt zu, dass die Mutter nach Wien übersiedelt. Zur goldenen Hochzeit des Erzherzogenpaars verpflichtet Regisseur Karczag (Theater a.d. Wien) die Kapelle des Inf. Rgt. 26 unter Lehár. Für Star Alexander Girardi schreibt Lehár die Operette „Wiener Frauen“ (200x gegeben) und erhält einen 5-Jahresvertrag. Heirat mit Ferry Weißenberger (Tochter des Militärkasino-Gastwirts) geplant, aber durch Vater und Tante verhindert - Briefkontakt bleibt bis ans Lebensende. Weitere Operettenerfolge von Hamburg aus ("Der Rastelbinder", "Der Göttergatte", "Die Juxheirat"); erster Einbau von Tänzer/-innen trotz Bedenken von Girardi ("Variété mit gehupften Seelendamen!"). Die Entwicklung der neuen Operette schreitet voran. Nächste Projekte berücksichtigen den Gesellschaftswandel in Wien - das Kleinbürgertum wird breites Theater-Publikum. Lockerung alter Gesetze (u.a. ab 1895 zivile Ehescheidung in Ungarn) somit neue Sujets („Zigeunerbaron-Idylle“); freie Liebe als Sensation auf der Operettenbühne!

Die "lustige Witwe"#

Beginn der Libretto-Vertonung der in Paris handelnden "Lustigen Witwe" durch Lehár; eigentlich für anderen Komponisten vorgesehen; Victor Léon zieht sein Libretto zurück. Dennoch 6-monatige intensive Weiterarbeit, unter Obhut der Mutter. Léon und Leo Stein sind begeistert; nach kleinen Korrekturen und wenig Proben - Dirigat (Lehár persönlich)Première am 30.12.1905 im Theater a.d. Wien; vorerst kein großer Erfolg. Publikum erlebt aber eine Operettenform, die alles Bisherige umstürzt. Lehár setzt Tanzmelodien in Lagen, die den Theaterbesuchern das Mit- und Nachsingen erlauben. „Die lustige Witwe“ wird zum Inbegriff und Musikereignis; ab März 1906 in Hamburg, Prag (u/Klemperer), Zürich (u/Furtwängler); 400. Aufführung in Wien 1907. Welterfolg über London (800x gegeben), Paris, Indien, Südafrika, China, Japan und 1907 in New York und Chicago bis 1909 wieder in Paris - 20.000 Aufführungen in 10 Sprachen; bis 1970 rund 500.000 Aufführungen; Verkauf von 30 Mio. Klavierauszügen und Notenblättern/Arrangements; 40-50 Mio. Schallplatten!

Erstmals Bad Ischl#

Als Mutter Emilie Christine in der Schleifmühlgasse in Wien erkrankt, bringt sie ihr Sohn zur Kur nach Bad Ischl.

Weitere Operetten ("Wiener Frauen", "Der Schlüssel zum Paradies"), Dirigate in Leipzig und Kinderoperette „Peter und Pauls Reisen ins Schlaraffenland“. Neue Theater entstehen; Sprechbühnen spielen nun auch Operetten. 1909/10 in 3 Monaten an 3 Bühnen 3 neue Erstaufführungen; Lehár führt in fast allen Statistiken. Erprobung neuer Ideen (chinesische Bühnenmusik); viele Nachahmer, u.a. Robert Stolz ("Im Prater blüh´n wieder die Bäume"; eigends Valse-Moderato aus "Ihr Männer im Paradies"). Lehár kauft das Haus Theobaldgasse 16 in Wien mit kleinem Museum im Dachgeschoss. Schaffensrausch; parallel Werke mit verschiedenen Sujets. Zum Jahreswechsel 1909/10 wird Lehár zum "Mann mit den drei Premièren": "Fürstenkind" und "Zigeunerliebe" (Première Theater a.d. Wien 8.10.1910 und "Der Graf v. Luxemburg" - ein Theaterrekord ; ein wahres Lehár-Fieber, die sogenannte „Leháritis“ greift um sich! Weltweit Aufführungen; geographischer "Höhepunkt" der Wiener Operette in Darjeeling am Himalaja!

Nun wird Bad Ischl ein weiteres Schaffenszentrum; Bezug der Wohnung an der Grazer Str. Nach einem Jahr Bezug der "Rosenvilla" an der Esplanade 6. Jährlich ab 1. Juli in Bad Ischl mit gesamter Wiener Musik-Entourage. 1910 meistgespielter Komponist an deutschen Bühnen mit 2.200 Aufführungen vor Wagner (1.994). Weitere Kompositionen („Eva“ und „Endlich allein“); „Eva“ wird größter Operettenerfolg am Theater a.d. Wien; Absage der Angebote bis New York. Am 31.7.1912 Auftritt beim englischen Königspaar; vehemente Kritik, denn die Wiener Geigen fehlen! 1912 Kauf der Villa in Bad Ischl am Rudolfskai 8 (heute: Museum).

Der Erste Weltkrieg#

Franz Lehár wird nicht in den 1. Weltkrieg einberufen, aber sein Bruder Anton Lehar (Major). Am 18.8.1914 Dirigat in Wien zum Kaisergeburtstag; nach 3 Wochen kehrt der Bruder kriegsverletzt zurück. Komposition Liederzyklus "Aus eiserner Zeit", basierend auf letzter Reiterschlacht. Es war dies der Versuch, Kriegsgeschichten musikalisch umzusetzen; die Wiener aber wollten keine "Kriegsoperetten". Es folgt die erste Operette in ungarischer Sprache "Pascirta" etwa 100x gegeben. Zusammen mit "Die Lerche" ist die Kriegszeit nun überstanden. Im Juni 1918 erhält der Bruder für die Rettung von Menschenleben an der Piavefront die Tapferkeitsmedaille und von Kaiser Karl das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens und die ungarische Baronie. Anton Lehar ist der höchstdekorierte Offizier der k. u. k. Monarchie. Kriegsnot in Wien, dennoch neue Werke („Die blaue Mazur“, „Die gelbe Jacke“); Lehár dirigiert täglich im Theater in Wien.

Nach seiner 50. Geburtstagfeier erkrankt Lebensgefährtin Sophie und die Villa in Bad Ischl steht bis zum 1. OG im Hochwasser. Dennoch entsteht die spanische Operette "rasquita"; erstmals mit acht Nackttänzerinnen. Des weiteren "Die Tangokönigin" (= bearbeitete "Ideale Gattin"). 1929 wird das Apollo-Theater in das erste Großkino Wiens umgebaut. Dadurch entsteht eine Premièrenbühne für Lehár-Filme. Nach der "Frasquita"“-Première (Theater a.d. Wien) nimmt der Meister die Arbeit an der "Giuditta" auf. Richard Tauber wird als Herzensbrecher-Tenor in Lehár-Arien bekannt;

Mit Schlagzeug und Saxophon#

1922 Skizzierung des Welterfolgs "Dein ist mein ganzes Herz". Neues Operetten-Projekt in Bad Ischl "Clo(-)clo"; erstmals mit Einsatz des modernen Schlagzeugs, Saxophonen und den Modetänzen Java, Blues, Tango, Onestep, Shimmy, Foxtrott. Die Partitur wird in nur neun Tagen verfasst!

Am 20.2.1924 Heirat mit langjähriger Lebensgefährtin Sophie Meth geb. Paschkis in Wien. Mit 53 Jahren sucht Lehár neue Operettenbühnen; die Stars der ersten Epoche am Theater a.d. Wien sind weggezogen; enttäuscht über den Revuestil Marischkas. Arbeit an "Paganini" mit Lied für Tauber "Gern hab´ ich die Frau´n geküsst" und Schallplattenaufnahmen in Berlin 1926. Bereits am 1.10.1924 "Frasquita".- die erste Operetten-Radioübertragung der Welt. Tauber und Lehár werden zu Medienstars. Zurück in Wien trifft Lehár Künstlerkollegen im Café Museum oder bei der „Schlaraffia“ (Lieder-Kompositionen) und 1928 Treffen mit George Gershwin in Wien.

Das Wolgalied#

Der "Zarewitsch". Die Notationen erarbeitet Lehár größtenteils mit Bleistift, aber diese 425 Seiten-Partitur ist perfekt in Tinte für die Uraufführung 1927 in Berlin geschrieben; Großerfolg wegen des "Wolgaliedes". Tauber löst seinen Staatsopernvertrag vorzeitig auf, denn die Operettenauftritte sind lukrativer. Kurz zurück in Wien für alljährlichen Grabbesuch der Mutter. Wien gefällt Lehár aber nur noch im Vorkriegscharakter! Die Auftritte sind nun von Attentaten, Streiks und politischen Wirren beeinträchtigt. 1928 Dirigate in Berlin ("Der Graf v. Luxemburg" und Première "Friederike"). Tauber ist nun der nun best-bezahlte Bühnenstar -800.000 Mark und bis 250.000 Mark aus Schallplatten pro Jahr. Lehár verdient je Einzelauftritt weit weniger als Tauber!

Nach Auftritten in Europa wirkt Lehár erneut in Berlin ("Friederike") als deutsches Singspiel, wogegen die Nationalsozialisten nichts ausrichten können. Nach Taubers Zusammenbruch 1929 auf der Bühne in Hamburg - nicht auskurierte Angina, Gelenkentzündungen zur Kur in Bad Pystan (heute: Piestany; Slowakei). Rückkehr zu Lehár nach Wien für Plattenaufnahmen und Proben "Land des Lächelns" (Metropol-Theater); Première 10.10.1929 mit Tauber-Lied „Dein ist mein ganzes Herz“; auch dieses Stück wird zum Welterfolg! Trotz Wirtschaftskrise Donnerstag 23.10.1929 ("Black Friday") in den USA, bis zu neun Lehár-Produktionen pro Tag in Berlin.

Am 8.11.1930 Tonfilm-Première "Land des Lächelns" im Apollo-Kino in Wien. Nun Filmmusik-Kompositionen "The Rogue Song"“ ("Zigeunerliebe") mit Oliver Hardy und Stan Laurel. 1934 Lubitsch-Verfilmung "Lustige-Witwe" ("The Merry Widow"). Am 3.12.1930 wagt Lehár den Operettentitel "Schön ist die Welt", trotz dramatischen Lebensbedingungen in Deutschland und Theaterschließungen. Es gibt 3.000 arbeitslose Musiker und der Direktor des Nationaltheaters Bratislava stürzt sich aus dem Fenster! Taubers Filmgesellschaft wird 1931 liquidiert; er wird als "Geldabschneider" und Halbjude angeprangert - verlässt Berlin aber rechtzeitig.

Neue Skizzen für "Giuditta" (Musikalische Komödie) verzögern sich wegen des Hauskaufs in Wien-Nussdorf - 1931 Kauf/Bezug 1932-1944 des Schikaneder-Schlössl in der Hackhofergasse 18. Ausleben seiner Tierliebe: Hunde, Katzen, Vögel, Goldfische, Frösche, ein "Tauber" (namens "Richard").

"Giuditta" und die Nazis#

Aus Budgetüberlegungen lässt Direktor Clemens Krauß an der Wiener Staatsoper ab 1929 Operetten zu. 120 Radiosender übertragen die "Giuditta"-Première am 20.1.1934 live aus der Staatsoper. Schon 1935 "Giuditta" an zweiter Stelle der Bühnenstatistik (nach Wagners "Fliegender Holländer") und vor Mozarts "Figaros Hochzeit". Nur in Nazi-Deutschland wird „Giuditta“ verboten, Lehár fällt wegen politischen Äußerungen seines Bruders in Ungnade. Auch Mussolini, den Lehár als Geigeninterpreten der „Frasquita-Serenade“ kennenlernt, lehnt die Operette ab. Die Titelrolle verhöhne die Führerautorität; von Berlin werden nun Anti-Lehár-Demonstrationen organisiert. Zusammenarbeit mit jüdischen Librettisten werden beanstandet und 1932 wird "Das Land des Lächelns“ den jüdischen Werken zugeordnet und Lehár aus den Operettenspielplänen entfernt; 1934 werden alle Lehár-Operetten für ungeeignet erklärt. Mitte 1936, nach einem Entscheid Goebbels über den "jüdisch versippten" Eduard Künneke, verfügt Hitler persönlich, Lehár-Operetten für öffentliche Aufführungen wieder freizugeben, obwohl Lehár mit einer Jüdin verheiratet ist. „Die lustige Witwe“ erklärt Hitler, neben Wagners Kompositionen, zu seinen Lieblingswerken. Er begrüßt Lehár persönlich im November 1936 als Ehrengast beim Jahrestag der Reichskulturkammer und besucht mit Goebbels eine von Lehár dirigierte "Zarewitsch"-Aufführung; sogar jüdische Librettisten sind im Programm erwähnt. Der Versuch von Richard Strauß scheitert, Lehár als Gefahr für deutsches Kulturleben anzuschwärzen; Goebbels meint: "Lehár hat die Massen, Sie aber nicht!" Die Nazi-Aufseher beobachten exakt Lehárs Auslandauftritte und die Treffen mit Tauber. Zu Silvester 1938 dirigiert Lehár "Die Lustige Witwe" im Berliner Großen Schauspielhaus. Lehár hilft vielen Künstlern in Not bis er selbst in Finanzprobleme gerät.

1937 heiratet Tauber in der Hauskapelle in Lehárs Schlössl in Wien-Nussdorf die englische Schauspielerin Diana Napier. Bundeskanzler Schuschnigg wird zum Rücktritt gezwungen und Hitler marschiert mit 200.000 Mann in Österreich ein; das eigenständige kulturelle Wirken wird für sieben Jahre unterdrückt; viele Kunstschaffende und Regisseure begehen Selbstmord. Tauber fordert Lehár eindringlich auf zu emigrieren; Auslanddirigate sind noch erlaubt.

Nach der "Reichskristallnacht" vom 9.11.1938 beginnt Lehár mit seiner Frau die Haushaltsverlegung nach Bad Ischl; alle Bühnen in Wien sind für ihn verboten und er steht unter Verfolgung des Propagandaamtes; dennoch Silvesterdirigat in Berlin. Auch Lehárs Bruder wird längst beobachtet; er hat versucht, das ungarische Königtum für Kaiser Karl nach dem Ersten Weltkrieg zu erhalten; steht nun unter Hausarrest. In Bad Ischl wollen zwei Gestapo-Leute Lehárs Frau abholen; diese fällt in Ohnmacht. Lehár ist zufällig anwesend - nach Anruf bei Gauleiter Bürkel - ziehen die Leute kommentarlos ab. Lehár versteckt nun seine Gattin bei Freunden, wenn er abwesend ist. Er erbringt nie den sogenannten "Arier-Nachweis" für seine Frau; dennoch erhält er eine Sondergenehmigung Hitlers für die Berufsausübung.

Der Zweite Weltkrieg#

Nun setzt erneut ein großes Theatersterben ein; viele Künstler müssen an die Front. Lehár absolviert fast nur Auftritte in Zürich und Budapest. Zum 70. Geburtstag ehrt ihn sein Heimatort mit einer Marmortafel am Elternhaus und die Stadt Ödenburg (heute: Sopron) mit der Ehrenbürgerschaft. Trotz Verbots von "Friederike" wird ihm die Goethe-Medaille verliehen; die Operette wird bei Goebbels in Privataufführungen gegeben. Als Militärkapellmeister werden Lehár fünf Kapellen der Wehrmacht unterstellt; er weicht gekonnt Kompositionsaufträgen für Militärmärsche und Kriegslieder aus (ausgenommen den "Marsch der Kanoniere" für den Film). Lehár wird oft Anbiederung an Nazi-Regime vorgeworfen, doch er begeht zum Schutz seiner Familie und Freunde wahre Gratwanderungen! Mit Freiheitsbekenntnis dirigiert er 1943 in Budapest "Garabonciás"; sein letztes Bühnenwerk. Nach der 2. Vorstellung erleidet Lehár einen totalen Zusammenbruch und ist Monate in Bad Ischl bettlägerig (Gallen-, Nieren-, Drüsen-, Augenprobleme, Lungenentzündung).

Befreiung#

Am 6.5.1945 treffen US-Panzer in Bad Ischl ein, GI´s überraschen Lehár mit Gesangsständchen. In Wien lebt das Theater wieder auf und das Metropol-Theater Berlin kündigt Lehár wieder als Dirigenten an, welcher jedoch krankheitsbedingt absagen muss (Schlaganfall und Augenschmerzen). Ab Jänner 1946 ärztliche Behandlung in Zürich (Apartment im Hotel "Baur au Lac"). Lehár diskutiert Filmprojekte mit Willi Forst und Musicals mit Paul Burkhard. Tauber reist nach London; er singt den Octavio in Mozarts "Don Giovanni" mit nur einer Lunge! Nach Ankämpfen gegen Husten und Atembeschwerden versagt am 8.1.1948 sein Herz.

Das letzte Lebensjahr#

Im Febuar 1948 dirigiert Lehár in Zürich mit 78 Jahren im Kongresshaus und Ärzte orientieren ihn, seine Zeit ist nun begrenzt. Mehr als ein Jahr zieht sich das Ehepaar Lehár zurück und einige Tage nach der "Paganini"-Vorstellung im Stadttheater Zürich verstirbt seine Frau unerwartet im Freundeskreis im Hotel. Der Tod seiner Frau und die Plünderung der Lebenserinnerungen im Wiener Schlössl (russische Besatzung) sind kaum zu verkraften. Lehár äußert der Presse seine Entrüstung über die Wiener; will nie mehr zurückkehren! Ende Juli 1948 daher Rückkehr mit seiner Schwester Emilie Christine nach Bad Ischl. Lehár leidet an grauem Star und Magenkrebs. Er braucht Bluttransfusionen; der Meister erhält am 14.10. 1948 die Ehrenbürgerschaft von Bad Ischl. Am 23.10.1948 spricht er zur Haushälterin Amalia Scaja: „Jetzt habe ich alles Irdische erledigt - war höchste Zeit - ja, ja, mein liebes Kind jetzt geht´s ans Sterben." Der Arzt stellt am selben Nachmittag den Herzstillstand fest. Begräbnis am 30.10.1948 in Familiengruft in Bad Ischl. Nahe Lehárs Gruft in Bad Ischl befinden sich die Grabstätten von Richard Tauber und Oscar Straus (verst. 1954).

In Bad Ischl gibt es zwar ein Grab, das vorsorglich bereits für Richard Tauber mit seiner Inschrift angelegt worden ist; jedoch ist Tauber in London bestattet. Im Grab in Bad Ischl liegt sein Neffe Max Tauber! Dies ist nur klein auf dem Grabsockel vermerkt; auf dem großen Grabstein steht nach wie vor "Richard Tauber"!?