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"Immer nur lächeln" - Franz Lehár, der "letzte König" der Wiener Operette#

Von Ernst Zentner

Franz Lehár wurde am 30. April 1870 - vor fast 150 Jahren - im altungarischen Komorn (Komárno, Westslowakei) geboren. Er galt als populärster - und anspruchsvollster Operettenkomponist im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Sein Vater Franz Lehár sen. (1838-1898), entstammte einer mährischen Familie und diente als Militärmusikkapellmeister in verschiedenen Städten der Donaumonarchie. Schon im alter von nur fünf Jahren erhielt Lehár von seinem Vater Violin- und Klavierunterricht. Als Zwölfjähriger begann Lehár am Prager Konservatorium das Studium der Violine, Musiktheorie und daneben privat der Komposition. Frühe ernste Kompositionsarbeiten erweckten sogar das Interesse von Anton Dvorák und Johannes Brahms.

Kurzzeitig betätigte er sich als Geiger im Theaterorchester in Barmen-Elberfeld (1888; heute Wuppertal, Rheinland). Danach fungierte er als Konzert- und Kapellmeister in etlichen Militärmusikkorps (1890-1902: Slowakei, Kroatien, Italien sowie Budapest und Wien).

Bereits 1896 gab Lehár mit der Oper "Kukuskat" in Leipzig sein Debüt als Bühnenkomponist. Um 1900 widmete er sich vollends der schöpferischen Tondichtung und fand 1902 in Wien zur Operette: "Wiener Frauen" und "Der Rastelbinder". Nach diesen ersten Achtungserfolgen beendete er den Militärdienst. Doch Lehár gelang erst mit der Operette "Die lustige Witwe" - Uraufführung am 30. Dezember 1905 im Theater an der Wien - ein grandioser Welterfolg bis in die Gegenwart. Das Libretto erstellten Victor Léon und Leo Stein. Das darin enthaltene Danilolied "Da geh ich zu Maxim", der Triogesang "Ja, das Studium der Weiber ist schwer" und dass "Vilja-Lied" gelten inwischen als Schlager. Dazu eine Kritik in der "Neuen Freien Presse" vom 31. Dezember 1905, Seite 14 (Auszüge): "'Die lustige Witwe' (...) ist angenehmerweise nicht jene stadtbekannte "kleine Witwe". Sie ist vielmehr eine sehr mondäne Frau und nur mit einem einzigen Operettenübel ausstaffiert: Sie besitzt nämlich um zwanzig Millionen zuviel (...) hat Franz Léhar die sehr reizvolle Musik, nicht sehr von melodischer Erfindung quellend, aber glänzend in der Orchesterbehandlung, in einigen Details, vor allem dem Ineinanderweben der zwei Melodien in den Entreeduett des ersten Aktes, sehr originell, inden slavischen Motiven des zweiten Aktes von zart lyrischer Besonderheit (...) fand die neue Operette sehr freundliche Zustimmung, zumal nach dem zweiten Akt"

Endlich lieferte der Komponist fast jedes Jahr ein Bühnenstück. Etwa "Der Graf von Luxemburg" (1909), "Zigeunerliebe" (1910; dann 1943 als Oper "Garabonciás Diák" umgearbeitet) und "Paganini" mit dem Lied "Gern hab ich die Fraun geküßt" (1925).

Nach 1920 übersiedelte Lehár zeitweilig nach Berlin. Dort begann er eine neue Erfolgsserie. Für seinen Freund, dem in Berlin bekannten österreichischen Tenor Richard Tauber (1891-1948) entwarf er geeignete Bühnenwerke: "Der Zarewitsch" (1927) - "Wolgalied"! -, "Friederike" (1928; Lehárs Glanzleistung) mit "O Mädchen, mein Mädchen" und "Das Land des Lächelns" (1929) mit den zauberhaften Melodien "Dein ist mein ganzes Herz", "Immer nur lächeln" und "Meine Liebe, deine Liebe". Diese drei Berliner Uraufführungen verzichteten auf das übliche Happy-End.

Insgesamt schuf der Künstler an die 30 Bühnenstücke (und etliche Neufassungen). Hörfunk und Schallplatte steigerten seine Popularität. Nebenbei schrieb er über 100 Lieder, viele Einzelwerke für Klavier und Violine (Sonaten; zwei Violinkonzerte), einige symphonische Werke, über 65 Tänze (zum Beispiel den Walzer "Gold und Silber", 1902) und etwa 50 Märsche. Kurz nach der Jahrhundertwende lernte er die um acht Jahre jüngere Sophie Meth, geborene Paschkis, kennen. Zwanzig Jahre später - sie ließ sich scheiden - heiratete er sie ohne großen Aufwand (1924).

Der Triumph seines Stückes "Die lustige Witwe" (bis 1910 weltweit 20.000 Aufführungen!) machten Lehár zu einem wohlhabenden Mann. 1908 kaufte er in Wien-Mariahilf ein Haus (Theobaldgasse 16) und vier Jahre nachher in Bad Ischl eine Villa. 1931/33 erwarb er in Wien-Döbling das barocke Schikaneder-Schlösschen (Nußdorf, Hackhofergasse 18: "Lehár-Schlössel", und 1935 gründete der Künstler in seinem Mariahilfer Haus einen eigenen Musikverlag ("Glocken-Verlag"), der die meisten Rechte am Lehárwerk besitzt. Bis 1948 wurde "Die lustige Witwe" weltweit 300.000 Mal aufgeführt und einige Verfilmungen folgten. Erwähnenswert wäre lediglich eine US-amerikanische Version mit Maurice Chevalier als Danilo von 1934. Am Theater war das eine Paraderolle für Johannes Heesters.

"In Ischl habe ich immer die besten Ideen", sagte er einmal über sein musikalisches Schaffen in seiner Villa in Bad Ischl.

In Nußdorf erdachte Lehár sein Lieblingswerk, die musikalische Komödie "Giuditta", welche er mit Jarmila Novotna und Tauber am 20 Jänner 1934 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt wurde. Trotz mitreißender Lieder - "Freunde, das Leben ist lebenswert!" -. konnte der Operettenmeister nicht mehr an die einstigen Theatererfolge anschließen. Angeblich soll er später "Giuditta" dem italienischen Duce gewidmet haben …

Während der Hitlerzeit verzweifelte der Komponist, Seine jüdischen Librettisten flüchteten oder wurden ermordet. "Die lustige Witwe" galt als Lieblingsoperette des Führers. Obwohl Sophie Lehár jüdischer Abstammung war und ihr Franz zu seinen jüdischen Freunden stand, blieb das verängstigte Ehepaar vom Zugriff der damaligen Machthaber unbehelligt. Lehár verhielt sich offenbar passiv. Der Melodienkünstler lebte zurückgezogen und wußte längst, dass die Zeit der unkomplizierten Musik vorüber war.

Über die NS-Zeit schwieg er. Nach dem Krieg bemühte sich Lehár vergebens um die schweizerische und ungarische Staatsbürgerschaft. Die Lehárs lebten seit 1946 in Zürich. Im Spätsommer 1947 verstarb plötzlich seine Gefährtin. Von Trauer und Krankheit schwer geplagt, kehrte er im Juli 1948 nach Ischl zurück, wo er auch am 24. Oktober - beinahe 79jährig - verschied. Dort liegt er auch begraben. Noch zu Lebzeiten konnte Lehár auf unzählige Auszeichnungen blicken (u. a. Ehrenbürger der Stadt Bad Ischl, 14. Oktober 1948!). Testamentarisch wurde die Villa in ein Lehármuseum (Lehárkai 8) umgewandelt.

Franz Lehár
Franz Lehár, 1906 - Foto: Gemeinfrei

Franz Lehárs Arbeitszimmer in seinem Haus in der Theobaldgasse 16 in Wien (1912)
Franz Lehárs Arbeitszimmer in seinem Haus in der Theobaldgasse 16 in Wien (1912) - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Franz Lehár
Franz Lehár, um 1915 - Foto: Wikimedia Commons - eingeschränkt gemeinfrei

Lehár und seine Librettisten für 'Friederike' und 'Das Land des Lächelns': Ludwig Herzer (gest. 1939 in der Schweiz) und Fritz Löhner-Beda (ermordet 1942 in Auschwitz)
Lehár und seine Librettisten für "Friederike" und "Das Land des Lächelns": Ludwig Herzer (gest. 1939 in der Schweiz) und Fritz Löhner-Beda (ermordet 1942 in Auschwitz) - Foto: © Karl Winkler (1928), Wikimedia Commons - Eingeschränkt gemeinfrei

Franz Lehár
Franz Lehár, 1930 - Foto: Eingeschränkt gemeinfrei


Copyright Ernst Zentner 1995-2019


Der hier vorliegende Text basiert - aktualisiert und neu illustriert - auf einem in der "Neuen Wochenschau für Alle" vom 27. April 1995 / Nr. 17, Seite 4 abgedruckten Artikel: Franz Lehár, der "letzte König" der Wiener Operette - Von Ernst Zentner

Benützte Quellen (Auswahl):

  • Brockhaus
  • Bernard Grun, Gold und Silber : Franz Lehár und seine Welt. München u. a. 1970
  • Christa Harten-Flamm, Lehár, Franz. In: Neue Deutsche Biographie 14 1985, Seite 66-68
  • Maria von Peteani, Franz Lehár : seine Musik - sein Leben. Erweiterte Ausgabe. Wien
  • Otto Schneidereit (bearbeitet von Sabine Tuch und Dirk-Joachim Glävke), Franz Lehár. Eine Biographie in Zitaten. Berlin 1984

Lehárvilla:

Schikanederschlössel:

1978

2020