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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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1598. April 1841 lange; nachher wurden den Damen geweihte Blumen ausgetheilt, und da ich unter lauter damen, gfin goës, ludolf, ihre töchter, d’oultremont, molly Zichy etc. stand, so konnte ich auch mehrere damit beglücken. um 2 uhr endlich war es aus, und ich und mit mir die meisten fuhren schachmatt und todtmüde nach hause, obwohl noch viele zu den nachfolgenden functionen blieben, die heute kein ende nehmen. ich aber zog mich um, déjeunirte, machte geimüller eine kurze visite we- gen des letztlichen diners, und machte dann eine kleine promenade al monte Pincio. unter mehrern andern Briefen fand ich zu hause einen von gräfin lot- tum noch immer aus lausanne, welches sie aber jetzt verläßt, um über Zürch, wo sie ihren onkel Putbus auf ein Paar tage sehen wird, nach nor- den und dann später nach Kissingen zu wandern; ihre Gesundheit und mehr noch ihr gemüth scheinen mir übel daran, und trübe ihre Aussichten in die Zukunft; die arme Frau, ihre Briefe machen auf mich immer einen eigenen eindruck, weil sie mich an einen schönen moment meines lebens erinnern, und mir neben ihrem sturmbewegten leben mein eigenes so klein, so lang- weilig, so unleidlich miserabel vorkömmt; schade, das wäre so ganz eine frau gewesen, die für mich gepaßt hätte. Um 5 Uhr fuhr ich wieder, jedoch dießmal en Civil nach der Peterskirche; da gab es eine Menge Spectakel; zuerst der Cardinal Gran-Penitenziario, der sich auf einen thron setzt und den einzeln herannahenden gläubigen mit einem großen goldenen stab auf den kopf klopft, und hiemit Absolution, Ab- laß, etc. ertheilt; eigentlich ist die Hauptbestimmung dieser Feyerlichkeit die nachlassung sämmtlicher casus reservatis [sic], es ist aber vornehmlich eine Art devotion, und unter der unzähligen menge der niederknieenden war die ganze crème der fremden, lord schrewsbury [sic],1 gräfin goës, molly Zichy, ludolf, mad. Potemkin, und eine menge katholischer englän- der; ich that nicht ein Gleiches, weil es mir als eine Art Mummerey vorkam und man solche dinge nicht als scherz behandeln soll. hierauf und während dem war große procession sämmtlicher verkappten und verbarten [sic] Bruderschaften und Pilger, welche letztere durch 3 tage gespeist werden, zum heiligen grabe, und nach beendigten lamentationen, welche während der ganzen Zeit in der kirche (in der sixtinischen kapelle war es ebenfalls, so wie gestern) stattfanden, ein magnifiques miserere, wel- ches ich mit anhörte und bey der einbrechenden dunkelheit in sankt Peters wunderbaren dome, bey dem herrlichen concert der unsichtbaren stimmen und der himmlischen composition wahrhaft ergreifend fand. mittlerweilen 1 John talbot, earl of shrewsbury. er war der vater der 1840 verstorbenen fürstin gwendo- line Borghese, seine zweite tochter war mit fürst filippo doria Pamphili verheiratet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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