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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher160 war es nacht geworden, und nun begann die ceremonie des Abwaschens des haupt-Altars mit dem heiligen Weine, und hierauf wurden dem versam- melten volke unter großen feyerlichkeiten von einer hohen estrade in der kirche selbst die 3 großen reliquien gezeigt, nähmlich die spitze der lanze, die des heilands seite durchbohrte, ein stück des heiligen kreutzes und das schweißtuch der heiligen veronica mit dem Bildniß. Auch dieser moment war malerisch, die kirche bey fackelschein, die auf die kniee niedergefal- lene menge, etc. hierauf fuhr ich endlich fort und speiste (es war 1/2 8 uhr Abends) mit Tiesenhausen und Karaczonji beim Leyre; der Eindruck, wel- chen die gesammtheit all dieser kirchlichen functionen auf mich macht, ist ein durchaus ungünstiger; sie kommen mir bald als Comödie, bald als ein wahrer Götzendienst vor; doch aber muß er auf Andere anders wirken, té- moin stolbergs Bekehrung,1 témoin die ganze neuerliche Bekehrung zweier russen bey der gesandtschaft, stackelberg und gallitzin, welche Beyde hie- durch Vermögen, Adel und Anstellung verloren haben; was mich betrifft, so könnte ich in rom protestantisch werden. um 8 uhr Abends war alla trinità ai pellegrini fußwaschung, wo don miguel die männer und die herzogin von cambridge die frauen waschen sollte; jedoch haben dort die Damen und hier die Herren keinen Eintritt; alle Welt ging hin, ich aber dispensirte mich aus müdigkeit und andern ursa- chen. [rom] 9. April ich schrieb heute morgen Briefe, welche ich durch den gesandtschafts-cour- rier bestellen wollte, weßhalb ich nach 11 uhr auf einen Augenblick zur Bot- schaft fuhr; dann fuhr ich in die Dataria auf den Quirinal zu Signore Evan- gelisti, um ihm Adieu zu sagen. ich wollte dann meinen reisegefährten den maler finetti und seine Bilder besuchen, wie ich es ihm wiederholt verspro- chen hatte, fand ihn aber nicht zu hause, und fuhr dann nach san Pietro, um da auf die Kuppel zu steigen; jedoch war es noch zu früh und keiner der custodi da, und ich wollte eben wegfahren, als tiesenhausen in derselben Absicht angefahren kam, und so verging eine halbe stunde, bis man endlich Einlaß erhielt; wir stiegen denn hinauf, ein sehr wenig beschwerlicher, je- doch endloser Gang; erst gegen das Ende wird die Stiege, auf den unendlich schmalen Schneckenstiegen, schwieriger; wir kamen bis oben, d.h. bis unter das kreutz, und genossen von da die herrlichste Aussicht auf rom und seine Umgebung, welches Alles wie eine Landkarte unter uns ausgebreitet lag; besonders aber erhält man erst von da oben einen Begriff von den dimensio- 1 der als dichter bekannte friedrich leopold graf stolberg-stolberg konvertierte 1800 ge- meinsam mit seiner gattin zum katholizismus.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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