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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 163 -
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16310. April 1841 und durchaus mit fresken aus der päbstlichen geschichte geschmückt, die aber nichts besonderes sind; Alles was man sieht, sind blos Manuscripte, die sämmtlich in kästen verschlossen sind, die spätern Bücher, etc. sind in an- deren einfacheren Sälen; es gibt darunter eine Sammlung Manuscripte auf Papyrus, dann vielerley Antiquitäten, caméen, medaillen, vasen, kirchen- geräthe, alte crucifixe und heilige gemälde, etc. Alles das sah ich sowie ein manuscript des terentius aus dem 4. und eines der eneïde aus dem 5. Jahr- hundert, ein Buch mit Autographen des tasso und eines des Petrarca, etc. hierauf ging ich in die Peterskirche und besah mir diese, welche man nie vollkommen und genug sieht, ganz mit muße, hörte die herrliche orgel von mosca in der capelle del caro, welche gerade für morgen probirt wurde, seit der orgel in freiburg hat mir nichts einen solchen eindruck gemacht wie diese, und besah mir die gemälde, welche, so wie in den übrigen kirchen, von heute an wieder unbedeckt sind; es sind jedoch hauptsächlich Mosaiques, welche gemälden mit täuschender Wahrheit nachgeahmt sind, so die trans- figuration von raffael, der heilige michael von guido reni, die communion des heiligen hieronimus von dominichino, etc. endlich die grabmäler Pius vii. von thorwaldsen, der stuarts von canova, clemens Xiii. von canova, wobey der todesengel die herrlichste männliche gestalt ist, die ich jemals sah, und zuletzt die uralte Bronzestatue des heiligen Petrus, dessen einer fuß schon halb weggeküßt ist. Als mein Wagen gekommen war, fuhr ich in das Atelier des berühmten malers camuccini, wo ich aber außer angefange- nen gemälden und skizzen seiner Werke nichts Besonderes fand. nach eingenommenem déjeuner à la fourchette fuhr ich zum mahler rie- del, um das vom könig von Würtemberg bestellte Bild, die 2 badenden mäd- chen, zu sehen; es ist sehr getreu und der Contrast des braunen und blonden Fleisches sehr gut ausgeführt; dann zum berühmten Overbeck im Palazzo Cenci (weiland Beatrice Cenci); der Mann bezauberte mich ganz, sein einfa- ches, stilles und dabey doch für kunst und religion enthusiastisches Wesen erinnerte mich ganz an eine der stillschwärmerischen figuren Walter scotts und seiner Presbyterianer; wie er mir das Alles, seine Arbeiten und seine ideen explicirte, kurz, einfach, und doch voll Beredsamkeit, beneidete ich den mann, weil er das was er ist, ganz ist, mit leib und seele, d.i. mahler und Katholik; auch mahlt er durchaus nur heilige Bilder, und es weht in sei- nem Atelier und seinen Bildern ein eigener Geist der Züchtigkeit und Ruhe; ich sah die Zeichnung seines berühmten Bildes, der triumph der religion über die künste, in francfurt a.m.,1 dann sein sublimes, vollendetes Bild, 1 friedrich overbecks „der triumph der religion in den künsten“ (nicht über die künste) für das städelsche institut in frankfurt wurde 1840 fertiggestellt. den Auftrag erhielt er bereits 1829.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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