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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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19714. September 1841 [mailand] 9. september ich gehe nun endlich wieder aus, obwohl nur sehr wenig und mit großen Pre- cautionen; heute über 8 Tage gehe ich endlich auf’s Land, wohin, das weiß ich noch nicht; zu einer Reise nach Genf, wie es mein Wunsch gewesen wäre, finde ich keinen Compagnon, und allein ennuyirt sie mich; kurz wir werden sehen. mein Werk ist nun vollendet, und ich suche einen Abschreiber, was aber eine sehr kitzliche Sache ist wegen des Ausplauderns und der Polizey; am besten wäre ein dummer teufel dazu geeignet, der nicht wüßte was er schreibt, wie es in kanzleyen so viele gibt. mailand wimmelt jetzt von fremden, ich sah dieser tage von Bekannten litta aus rom, gräfin moritz lichtenstein, orloffs etc., dagegen aber sind die einheimischen weg, auf reisen, in como, am land, etc. man sagt jetzt, daß der hof directe von Wien nach venedig gehen und erst im Jänner hieher kommen soll, wo dann erst die heirath per procura vor sich gehen wird.1 das wäre mir sehr unangenehm, weil ich dann gabrielle vor meiner Wiener Reise, die ich ums neue Jahr antreten will, nicht sehen würde; und wer weiß, was sich während derselben für mich entwickelt. gott gebe es, denn dieses müßige leben ist meinem innersten Wesen zuwider, und lange würde ich es auf keinen fall darin aushalten. [mailand] 14. septembera Es ist nun entschieden, daß ich und zwar Übermorgen von hier abfahre; ich bin aber noch nicht recht decidirt, wie und wohin; meinen Wagen habe ich letzthin, ich weiß selbst nicht recht warum, verkauft, und so sitze ich nun. Wegen des Wohins? werde ich wahrscheinlich für den Anfang nach Arona gehen, welches ich so unendlich liebe, hundertmal mehr als den comersee, der mir vorkömmt wie eine kleine Lacke in einem englischen Park; ob ich dann von dort über den simplon gehe oder nicht, oder überhaupt sonst wo- hin, wird sich weisen. das Wetter ist herrlich, hier noch beinahe drückend heiß, und so könnte ich vielleicht trotz der vorgerückten Jahreszeit noch einige sprünge wagen. mein Buch nehme ich mit und werde es unterwegs selbst abschreiben; dazu habe ich mich entschlossen, weil es beinahe unmög- lich wäre, einen verläßlichen und dabey geschickten copisten zu finden, und bey der confusion und den vielen correcturen des manuscriptes hätte ich 1 die hochzeit von erzherzogin Adelheid mit ihrem cousin und thronfolger von sardinien- Piemont, vittorio emanuele, fand schließlich am 12.4.1842 statt. a Die Einträge von 12.–25.9.1841 finden sich sowohl im ungebundenen Tagebuch Ia als auch (mit Bleistift) im tagebuch ii. die edition folgt dem text von tB ia, die einzige inhaltliche Abweichung ist die datierung des eintrags vom 14.9., die in tB ii lautet: mailand, 13. september 1841. Am kopf von tB ii vermerkt: Bought milan 12/9 1841.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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