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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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21126. November 1841 eine Anbethung, ein kultus. sie schrieb mir neulich von genua, wo sie des schlechten Wetters wegen einen tag bleiben mußte, einen Brief voll Zärtlich- keit und freundschaft, ihre gedanken hätten Alle nur eine richtung, nach mir, und seit sie von mir weg sey, bemerke sie erst, wie unentbehrlich ich ihr geworden, und trotz dem war mir Alles dieses noch nicht genug, und in die- sem sinne antwortete ich ihr in einem leidenschaftlichen Briefe, wir wollen sehen, wie sie mir darauf antwortet. ich lese oder vielmehr verschlinge jetzt die Briefe der Bettina1 und finde viele Ähnlichkeit darin mit meiner gegen- wärtigen gemüthsverfassung. und doch war ich schon lange nicht so heiter und zärtlich, als eben jetzt. die Aussicht auf florenz und auf ein heranna- hendes dénouement meiner Zustände stimmen mich so. [mailand] 26. november ich befinde mich jetzt in einem Zustande comparativer ruhe und unthätig- keit, welche mir ordentlich wohl tut nach der beständigen, beynahe ängstli- chen geschäftigkeit, in der ich nun seit 6 monathen lebte, alle meine Würfel sind ausgeworfen, und ich erwarte nun in augenblicklicher muße den mo- ment, wo es sich zeigen wird, ob ich einen glücklichen oder einen fehlwurf gethan. mein Buchhändler tendler & schäfer hier hat an hoffmann und campe in hamburg wegen der übernahme meiner schrift geschrieben und zweifelt nicht, daß er sie mit freuden annehmen wird. er, tendler, findet sie äußerst stark und verletzend, nicht der form, sondern des inhaltes we- gen, wollte ich aber Wahrheit sagen, so konnte ich dieses nicht umgehen, desto schlimmer, daß dem so ist. dagegen glaubt er, sie würde in der politi- schen Welt fureur machen, ob dieß wahr oder nur schmeicheley ist, wird die nahe Zukunft lehren. Alle maßregeln sind getroffen, um den verfasser un- kenntlich und unerforschlich zu machen, sollte er dennoch aufgespürt wer- den, nun so werde ich mich mit freuden in ein schicksal ergeben, welches nur ehrenhaftes hat, nicht ermangeln kann, mir wenn auch mittelst eines schmerzhaften überganges mit einem schlage die lange gewünschte exi- stenz und Bedeutung zu verschaffen, ja ich muß gestehen, daß eben dieser Betrachtung wegen ich jetzt noch nicht recht weiß, ob ich eine entdeckung wünsche oder fürchte. indessen aber arbeite ich meiner zukünftigen reise nach Amerika vor, welche klarer und lebendiger als je zuvor vor meiner seele steht, ich unter- nehme sie aus den mannigfaltigsten Beweggründen und mit den verschie- densten ideen, vor allem betrachte ich sie als ein mittel, mich zu retrempi- ren und aus dem langweiligen und unfruchtbaren einerley meines jetzigen 1 Bettina v. Arnim, goethes Briefwechsel mit einem kinde. seinem denkmal. 3 Bde. (Berlin 1835).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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