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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher230 und ging nach hause, wo gräfin lottum schon um mich geschickt hatte, mich zu sich zu bitten, denn sie hatte allein zuhause gesessen, ich fand sie allein und saß lange bey ihr, bis Allegri kam, da engagirte sie uns, cigarren zu rauchen, und rauchte selbst ein Paar pajitos in gesellschaft von Putbus, der später dazu kam, sie war sehr amusant, neckte Allegri und mich auf das grausamlichste, und es wurde 1/2 11 uhr, ohne daß ich recht wußte, wie. da mußten wir fort, toilette zu machen, und nach 11 uhr fuhr ich zu madam cosvelt, die einen großen und sehr brillanten Ball gab, es waren, glaube ich, 500 Personen, das Appartement und besonders der tanzsaal sehr schön, ich sprach Anfangs viel mit gräfin orloff, und dann als clotilde mit frau v. meyendorf [kam], meistens mit diesen. frau v. meyendorf ist ganz besonders amusant durch die ungeheure natürlichkeit, womit sie die sonderbarsten sachen sagt und die leute lächerlich macht, doch ärgerte ich mich auch ein Bischen über die vielen menschen, die immer um clotilde, die schön und elegant war wie ein engel, herumstanden, so daß ich kaum dazu kam, ein vernünftiges, d.h. unbeobachtetes Wort mir ihr zu reden, übrigens möchte ich wissen, wann sich ein verliebter je auf einem Balle ganz zufrie- den gefühlt hat! einmal wollte ich mich rächen, und that, als ob ich mich in eine fortgesetzte conversation mit gräfin reviczky, ihrer Antipathie, die aber heute wirklich magnifique aussah, und um der lottum einen Possen zu spielen, wie schon die Weiber sind, mit mir kokettiren zu wollen schien, einlassen wollte, da stand clotilde auf, nahm mich beym Arme und sagte, sie wolle mit mir tanzen. dieß war der einzige tanz den ich tanzte, ich be- gleitete dann sie und meyendorfs zum souper, übrigens hatte man sie auf dem Balle mit mir geneckt, und da sagte sie mir dann, sie wolle mich nicht zu auffallend bevorzugen, hole der teufel diese dummen spaßmacher. ich sprach sonst noch mehr oder weniger mit der Bonetta, grabowsky, Würtemberg, welche sich durch mich der gräfin lottum vorstellen ließ, or- loff, uechtritz, die mich der fürstin elisa Poniatowsky vorstellte, etc. gegen 4 uhr, gleichzeitig mit lottum, ging ich fort, nachdem mir diese noch auf den Abend ein rendezvous zugesagt hatte, fuhr nach hause und ging zu ihr hinüber, die ich aber üblen humors und in voller toilette fand, so daß ich sie kaum anrühren durfte, und sie mir gleich ankündigte, sie könne mich nur auf ein Paar minuten sehen, da ihre kammerjungfer noch wach und es schon so spät sey, das verstimmte mich, und ich fing an, ihr vorwürfe über ihre kälte auf dem Balle zu machen, so kam es zu einem ordentlichen Zanke zwischen uns, sie beklagte sich über meine exigerens [sic] und maussaderie, sagte, wenn sie dieses vorhergesehen hätte, würde sie mich nicht bestellt haben, ich sey ein arroganter Prediger etc., und so gingen wir, nachdem wir uns eine halbe stunde gestritten hatten, aus einander, ziemlich kalt, obwol sie sich dann ärgerte, als ich supponirte, sie würde mir keinen Abschiedskuß
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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