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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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23126. Jänner 1842 geben wollen, doch war dieser ziemlich kalt, ich freue mich heute auf die Aussöhnung, solche kleine scénen sind oft nicht übel. [florenz] 26. Jänner ich stand gestern wie gewöhnlich auf, ging aber um 1 uhr nicht wie sonst zu clotilde, da ich dachte, sie würde noch schlafen, sondern ging nach 1/2 2 zu thurn’s, um mich um resis gesundheit zu erkundigen, da sie gestern auf dem Balle nicht erschienen war, ich fand dort froloff, mit dem ich nach einer halben stunde wegging, ich wollte nun zu clotilde gehen, und ein gleiches wollte er, da ich aber nach unserm gestrigen Zanke gerne eine ex- plication gehabt hätte und daher allein seyn wollte, nahm ich zu einer lüge meine Zuflucht und sagte ihm, sie läge noch im Bette. dieß aber nützte mir zu nichts, denn als ich zu ihr kam, fand ich schon mehrere leute da, und ich blieb auch keinen Augenblick mit ihr allein, übrigens war sie freundlich und gut gegen mich wie sonst. gegen 3 uhr wollte ich zu meyendorf, fand sie aber nicht zu hause, und begegnete unter der einfahrt clotilde, welche sie im Wagen hatte abholen wollen, wir sprachen da ein bischen mitsam- men, und sie fragte mich zuerst, ob ich meine üble laune verschlafen hätte, sprach mir von ihren Projekten für den Abend und über unser gewöhnliches rendezvous. dann ging ich zu orloff, mit welcher ich ein langes tête-à-tête und eine sehr animirte conversation hatte, sie fing damit an, daß sie be- hauptete, ich würde schwerlich jemals sehr verliebt seyn, indem man mir ansehen könnte, daß mich zu viel andere dinge, und namentlich die Am- bition, préoccupirten. da ich mich so getroffen fühlte, stimmte ich ein, und so kam ich de fil en aiguille dazu, ihr von der Beschaffenheit meines ehr- geizes, von meinen politischen Ansichten, Projekten etc. ziemlich offen zu sprechen. dergleichen conversationen, bey denen ich mich so lebhaft ange- sprochen fühle, haben auf mich immer die Wirkung, mich sehr zu montiren, und so kam es auch dießmal, es wurde essenszeit, und da sie mich engagirt hatte zu bleiben, ging ich nur schnell nach hause eine demie toilette [sic] machen, denn da mein Jäger nicht zu hause war, konnte ich keine ganze machen, und kehrte dann wieder zu orloff zurück, wir waren bloß in 3 bey tische, nähmlich Peknitzer [?] und wir Beyde, er orloff aß bey montfort, as- sistirte aber im Anfange bey unserm diner, kaum war dieses fertig, so fuhr ich nach hause, kleidete mich an und fuhr zu montfort, die Prinzessinn Wasa hatte mich nämlich letzthin in ihrer loge dem Prinzen Jerôme Bona- parte (vater) vorgestellt, ohne daß ich seinen nahmen gewußt hätte, und bloß gestern auf dem Balle hatte gräfin Würtemberg mir gesagt, wer es ge- wesen, was sie durch ihn selbst erfahren hatte,1 und so wollte ich ihm denn 1 Jerôme Bonaparte war der jüngste Bruder napoleon i. und von 1807–1813 könig von West-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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