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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 236 -
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Tagebücher236 sie ängstigen, dann sprach ich viel mit hélène Würtemberg, kurz, that, als ob ich mich ganz mäßig mit clotilde beschäftigte. Als ich aber sah, daß sie gegen ihre gewohnheit den cotillon mit einem Potocki tanzen wollte, der mir ziemlich gefährlich vorkam, da fing ich an, mich innerlich zu ärgern, ließ mir aber nichts merken, sondern engagirte frau v. meyendorf, die mich Anfangs meiner ernsten laune wegen neckte, dann aber in ein sehr inter- essantes gespräch mit mir verfiel, nämlich wir sprachen von mir, und sie meinte, ich sey in Allem und Jedem kalt und berechnet, sonderbar, daß alle leute mich darin so bald errathen, und doch bin ich es gerade jetzt so wenig als ich es jemals gewesen, und zu seyn im stande bin. clotilde, die mich den ganzen Abend über stets mit den Augen verfolgt hatte, war, als sie um 3 uhr mit meyendorfs wegging, liebenswürdiger und herzlicher gegen mich als je, nahm mich in ihrem Wagen mit und akkordirte mir ohne weiteres Bitten ein wiewohl ganz kurzes rendezvous, das ich auch nicht länger begehren konnte, da sie ihrer unpäßlichkeit wegen der ruhe sehr bedarf. Während dieser viertelstunde aber war niemand zärtlicher als ich, aber auch niemand so verliebt. mit dem souper hat meyendorf nach seiner gewohnheit mich in der Pat- sche sitzen lassen. orloff, der mit uns seyn sollte, engagirte uns Alle, lieber bey ihm zu soupiren, und meyendorf nahm es an und schickte das bestellte souper contremandiren, ein kellner des Aigle d’or kam gleich herangelaufen und meinte, das souper müsse bezahlt werden, er habe in diesen 3 stunden bereits große einkäufe gemacht etc. meyendorf und ich sprachen im vorzim- mer mit ihm und sagten ihm endlich, wir würden dieses morgen ins reine bringen. Wirklich als ich heute aufstand, wartete der restaurant selbst schon seit ein Paar stunden auf mich, ich sprach mit ihm und werde heute Abends auf dem casino die sache mit meyendorf ins reine bringen. heute hat es wieder ein wenig geschneyt, was wird daraus werden? ich zittere bey dem gedanken an meine rückreise. Als ich mit meinen Briefen etc. fertig war, wollte ich zu clotilde, die schlief aber noch, so ging ich zu thurns über die straße, bey denen ich ziemlich lange blieb. um 4 uhr endlich sah ich sie, Anfangs mit ihrem onkel, dann ganz allein, sie schickte mir ihre kammerjungfer herüber, als sie aufgestan- den war, um mich zu holen. die frau wird alle tage schöner, liebenswür- diger, himmlischer, und ich fühle es, mein gehirn und gesunder verstand schwebt in großer gefahr. es ist nur eine stimme in florenz über sie als die eleganteste, distinguir- teste, apparteste frau, die man gesehen, und alle leute sprechen mir da- von. um 1/2 6 uhr begleitete ich sie zu ihrem onkel hinab, mit dem sie zum essen fahren sollte, und ging dann à la nouvelle York, wo ich an der table
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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