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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 263 -
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2638. März 1842 [mailand] 8. märz es bleibt also bey meiner reise am 13. Alles ist besorgt, mein haus ist be- stellt und Alles so eingerichtet, daß ich nicht mehr nothwendig habe, hieher zurückzukehren, sondern gabrielle in meiner Abwesenheit die nothwendi- gen einleitungen treffen kann. dieses gibt mir ziemlich viel zu thun. doch glaube ich, daß es auf keinen fall so kommen wird, denn selbst unter den günstigsten voraussetzungen werde ich wohl immer Zeit genug haben, hie- her zurückzukommen, um meine Anstalten zu treffen, dergleichen dinge ge- hen nicht so rasch, und ich rechne auf keinen fall vor dem herbste abreisen zu können, d.h. europa zu verlassen. Jedoch muß man auf Alles gefaßt seyn. so geht es denn der entscheidung entgegen, ich habe gute hoffnun- gen, weil ich ernstlich und fest entschlossen bin, und dieses imponirt im- mer, wäre ich nur im Punkte des geldes unabhängiger, so würde ich gar keine Zweifel mehr haben, aber eben da steckt es, wiewohl gabrielle mir mit wahrer großmut ihr vermögen angeboten hat. davon aber will ich nur im äußersten falle gebrauch machen, doch aber gibt mir dieser rückhalt eine bessere sicherere stellung beym sollicitiren. Wovor ich mich aber am meisten fürchte, ist meine Jugend und die vorurtheile, welche man bey uns gegen einen Jeden hat, der nicht in dummheit grau geworden ist. indessen studire und arbeite ich mit wahrer Anstrengung, lese reisebeschreibungen, handelsberichte etc. soviel ich deren nur auftreiben kann, schreibe Briefe etc. Was mir abgeht, ist ein specielles studium, welches ich als ersten vor- wand meiner reise nehmen könnte, denn daß politische Beobachtungen der hauptzweck desselben sind, wage ich nicht zu sagen, es würde nur miß- trauen erwecken, und die erforschung der dortigen handelsverhältnisse, in deren Beziehung zu oesterreich, in welcher hinsicht ich noch am ehesten hoffe, Aufträge und unterstützungen von der regierung zu erhalten, kann ich nicht als meinen eigenen selbstständigen Zweck vorschützen. daher habe ich meine alte neigung zur geologie wieder vorgenommen, vielleicht kann ich diese als meine spezialität geltend machen. übrigens scheinen die verhältnisse günstig, die öffentliche stimmung in triest äußert sich für vermehrung der kommerziellen verbindungen mit America, wofür bisher von der regierung gar nichts geschehen ist, und wel- che doch von dem zunehmenden verfalle des handels triests mit der le- vante dringend gebothen wird, und dieses kann mir vielleicht von nutzen seyn. kurz ich habe eine unzahl ressourcen und Wege im kopfe, welche mir zu dem gewünschten endzwecke verhelfen sollen, wir wollen hoffen, daß sie wenigstens nicht Alle fehlschlagen. indessen habe ich hier eine menge Aufwartungen und visiten zu machen, und sonstige geschäfte. doch spreche ich hier von meinen Plänen nieman-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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