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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher280 unterrichtet, und deßhalb sehe er sich nicht in der lage, meinen Antrag an- zunehmen, und wisse mir keine speciellen Aufträge zu ertheilen. sollte ich dessenungeachtet meine reise unternehmen und dabey erhebliches und neues bemerken, so würde er jede derartige mittheilung mit dank anneh- men. das war Alles. Was in aller Welt kann nur diese plötzliche sinnesänderung bey kübeck hervorgebracht haben? nach der encourageanten, beyfälligen Aufnahme, die ich bey ihm fand, nachdem er mir ausdrücklich zugegeben, was auch gar nicht zu läugnen ist, daß in Beziehung auf jene länder noch unendlich viel, ja noch Alles zu thun übrig bleibt, und daß diese für oesterreich ebenso wichtig sind, als sie bisher unbeachtet blieben, nachdem er meine Absichten gelobt und deren gemeinnützigkeit anerkannt hat und daran die bestimmte- sten versprechungen knüpfte, nach Allem dem nun plötzlich diese trockene, selbstzufriedene Antwort! ein Phraseur ist kübeck nicht, damals dachte er, wie er sprach, woher kömmt es, daß er jetzt nicht mehr so denkt? sollte mitt- rowskys Antwort diese veränderung bewirkt haben? das sähe dem alten Bu- reauhengsten ganz ähnlich. Aber wie? über meine fähigkeiten kann er ihm doch nichts übles gesagt haben, über meine speciellen kenntnisse konnte kübeck von ihm nie einen Aufschluß erwarten, da diese nicht in den Bereich meiner ämtlichen Wirksamkeit fallen, also was war es dann, was ihn so um- stimmte? das muß ich morgen zu erfahren suchen. Also auch dieser nicht nur mein letzter, sondern auch mein haupt-Anker gerissen, ich fange nun an ernstlich an den rückzug zu denken. noch aber bin ich mit mir nicht recht klar geworden über die Wirkungen dieses un- erwarteten und schmerzlichen Abfalles. Auch du Brutus? und nun drapire dich, caesar, und falle mit Anstand. i am stunned und weiß selbst nicht, welches die Wirkung dieses schlages auf mich seyn wird. so ist es immer mit mir. freude und leid wirken erst nach und nach auf mich ein, im Anfange bin ich ruhig, so war es auch heute, ich faltete mein Papier zusammen und ging in den club Zeitungen lesen. Aber doch gebe ich noch alle hoffnung nicht auf. Will kübeck nichts thun, so mag es mit fürst metternich versucht werden. ich war deßhalb gleich diesen Abend bey Bombelles, der mir sagte, er wäre bereits zweymahl beym fürsten gewesen, um ihm darüber zu sprechen, es sey aber nicht möglich gewesen, er hoffe, ihn aber noch heute Abend zu sprechen, ich sagte ihm natürlich nichts von dem, was inzwischen vorgefallen, sondern bath ihn nur um seine verwendung, und daß er den fürsten bitten möge, mir eine unter- redung zu gewähren, was bey ihm so unendlich schwer fällt. kann ich ihn von dem wissenschaftlichen standpunkte dafür gewinnen, und insbesondere wenn es mir gelingt, daß mir friedrichsthals Papiere autoritativement zur ordnung übergeben würden, dann ist vielleicht noch nichts verloren, und
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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