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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher300 3 uhr auf der eisenbahn abreisen. Alles sehr gute vortreffliche leute, aber für mich doch gar zu bürgerlich, ich begreife das ganze Wesen meiner bay- erischen namensgenossen nicht. das Andrianische Blut hat hier degenerirt, ich bin nicht mehr Aristokrat wie sonst, doch verlange ich feine, großstädti- sche manieren, ohne diese kann ich mich nicht zufrieden geben. ich ging also nach hause und erwartete dr. kolb, der kam denn auch und brachte den redacteur des Auslandes, dr. Wittmann, mit, einen sehr gebildeten kenntnißreichen mann, doch von lange nicht so feinem Äußern wie kolb, und in manieren wie in der denkungsart nahe an den demagogen streifend. Wir sprachen dann Anfangs wieder von meinen reiseprojekten, von den handelsbeziehungen, die sich zu jenen ländern anknüpfen ließen, von den deutschen, die gegenwärtig daselbst reisen, es sind deren 2, ein Ba- ron karwinsky, Botaniker, in mexiko, und ein anderer, ebenfalls da, dessen namen ich vergaß, von colonisation und Auswanderung, und hierauf wurde das gespräch allgemeiner und wandte sich bald auf jene gegenstände, die uns alle vorzugsweise beschäftigten: auf deutschlands einheit, größe und Zukunft, und auch hier schienen mir ziemlich lebhafte, wenn auch unwill- kürliche Abneigungen gegen Preußen und vielleicht gegen norddeutsch- land in masse hervorzutreten. sie hoffen zuversichtlich auf einen baldigen Anschluß oesterreichs an den Zollverein, welchem ich entgegensetzte, daß ein Anschluß mit ungarn solange unmöglich sey, als dieses sich weigert, verhältnißmäßige steuern zu übernehmen, ohne ungarn aber oesterreich sich nie anschließen würde, um dieses land nicht vollends zu isoliren, sie bedauerten und rügten Preußens mißgriffe bey Abschließung der letzten handelsverträge mit holland und besonders mit england, überhaupt schie- nen sie mir, welche richtung ich auch an der Allgemeinen Zeitung bedauere, Anhänger eines strengen schutzzollsystemes und einer künstlich gehegten treibhausindustrie, Alles im interesse deutscher größe und unabhängig- keit, auch in dieser Beziehung sympathisirten sie mehr, besonders Witt- mann, mit oesterreichs Zollprincipien. dieser äußerte seine Befürchtun- gen für deutschland im falle eines continentalkrieges, da oesterreich und Preußen, durch rußland beschäftigt, es sich selbst würden überlassen müs- sen. dieses sey die folge der unseligen Arrangements des Wiener congres- ses, welcher statt oesterreich gegen deutschland und durch Belgiens Besitz zu kräftigen, ihm Provinzen gegeben habe, welche es im falle eines krie- ges mit ganzen Armeen hüten müßte. sie kannten genau die ganze gefahr, welche oesterreich von rußland her durch das mächtige slawische element in seinen ostprovinzen droht, und bedauerten, daß wir uns in der moldau, Wallachey und serbien durch rußland den rang ablaufen ließen, besonders bey der ausnehmenden günstigkeit dieser länder für deutsche colonisation, weßwegen auch schon von dort aus Anfragen bey den deutschen Auswande-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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