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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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30126. Mai 1842 rungsvereinen geschehen seyen, die aber eben dieser ungewißheit über das endliche schicksal jener länder wegen erfolglos geblieben wären. hierin war ich ganz ihrer Ansicht und verstärkte ihre Äußerungen durch Anführung des Beyspieles von montenegro. endlich führte ich das gespräch auf Bayern und dessen offenbar retrograde Bewegung, welche sie erkennen und bitter beklagen, sie erwähnten mit unmuth die mehrhaft feindselige tendenz der hiesigen regierung gegen alle großartigen und industriellen unternehmun- gen, welche sich namentlich bey den eisenbahnen und der donau dampf- schifffahrt bewährt habe, die vernachlässigung aller materiellen interessen, die verwahrlosung der Armee, die jämmerliche Justizpflege und ebenso die drückenden censurverhältnisse namentlich in Bezug auf religieuse gegen- stände und auf die stimmen deutscher staaten. noch viel Anderes wurde besprochen, mit Wärme und lebhaftigkeit und mit einer ziemlichen einstimmigkeit unserer Ansichten, die hannöveri- schen Zustände, die zunehmende ungleichheit in materieller hinsicht der ost- und Westprovinzen Preußens, welches vielleicht wichtigere folgen ha- ben dürfte, als man glaubt, der endliche Anschluß hamburgs an den Zoll- verein und der große einfluß dieser handelsstadt in norddeutschland, das berüchtigte sieveking’sche kolonisationsprojekt auf Warrekauri,1 eine zu- künftige völlige einheit deutschlands etc., kurz, die stunden verflogen in dieser diskussion, und als dr. Wittmann endlich Abschied nahm, ging ich noch mit kolb um die stadt spatzieren, um zu einem schlusse wegen mei- nes eigentlichen geschäftes zu kommen. da ich ihm die unzweckmäßigkeit eines bogenweisen honorars auf so weite distanzen vorstellte, kamen wir überein, daß ich einen credit von cotta erhalten würde, und die Abrechnung sodann nach maßgabe des eingelieferten und des bestimmten honorars zu geschehen hätte. ich sollte daher an cotta schreiben und mit ihm brieflich die näheren und genaueren Bedingungen ins reine bringen, er selbst werde ihm alsogleich darüber vorläufig schreiben. meine mittheilungen sollten po- litischer und statistischer natur seyn mit besonderer rücksicht auf deut- sche Auswanderung und colonisation, und nebstbey zur Assaisonirung jener trockenen gegenstände reisebriefe, reiseeindrücke, charakter- und sze- nenschilderungen interessanter menschen und dinge. er wünschte von mir früher einen Aufsatz über dalmatien und montenegro zu erhalten, ich aber bemerkte ihm, daß solch ein Aufsatz politischer natur nicht wohl ohne ruß- lands Praedomination daselbst zu berühren geliefert werden könnte, welche für oesterreich eine wunde seite und daher für mich eine delicate unter- 1 das vom hamburger diplomaten karl sieveking propagierte Projekt einer deutschen ko- lonisierung der chatham-inseln (hauptinsel chatham oder Warekauri), ca. 600 km östlich neuseelands, wurde nach dem großen hamburger stadtbrand 1842 nicht weiter verfolgt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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