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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 307 -
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30711. Juni 1842 ben, sie entmannen und verkrüppeln nur unsere thatkraft, und ein mann ist zum handeln, nicht zum Brüten und träumen da. ich kann es aber gar nicht sagen, wie hart es mir fällt, wieder in mein voriges dienstverhältniß bey der delegation treten zu müssen, nebst der mir mehrhaft peinlichen miserabilitaet und unwichtigkeit der dortigen ge- schäfte ist mir der delegat und Alles übrige, sogar mit einschluß der vier Wände, im höchsten grade zuwider, und so war es mir unangenehmer als ich es ausdrücken kann, daß spaur vor lauter Pedanterie mir meine Bitte abschlug. eine menge anderer kleiner désagréments kömmt noch hinzu, unter andern die entsetzliche unbeholfenheit meines Bedienten, den ich vor der hand aufnehmen mußte, denn meinen ignatz ließ ich in Wien, wo er bey fürst montléart einen dienst fand, kurz diese ersten tage sind unangenehm genug, und zudem geht gabrielle schon morgen mit dem hofe nach monza, und somit verliere ich auch sie, die einzige gegen die ich mich ganz frey aus- sprechen kann, für mich ein großer verlust. sie ist jetzt auf einmahl sehr en faveur und weiß nicht genug von turin, der Pracht der dortigen feste und des hofes und von ihrer schweizerreise zu erzählen, wenn ich die schweiz und genf nennen höre, wandelt mich ein unendliches heimweh an, sie hat sehr schöne cadeaux vom könige, dem jungen ehepaar und der viceköni- ginn bekommen und scheint sehr zufrieden.1 tendler hat von campe seit dem hamburger Brande keine nachrichten, ich weiß also noch immer nichts über das schicksal meines manuscriptes, doch wird er ihm morgen schreiben, und so hoffe ich, in 3–4 Wochen läng- stens darüber im klaren zu seyn. campe’s capricieuse ungenauigkeit bringt mich in verzweiflung, es sind nun 6 monathe, daß meine schrift abgegangen ist, und mit jedem momente verliert sie an ihrem vorzüglichsten interesse, dem interesse des Augenblickes. die taglioni ist hier und tanzt, schön wie immer, aber der enthusiasmus ist lange nicht mehr, wie er vor einem Jahre gewesen, und das haus ziem- lich leer. [mailand] 11. Juni endlich bin ich nun ganz wieder in ordnung, was aber ziemlich lange währte, da ich erstens ohne Bedienten war, und zudem meine sachen theils durch die Post, theils durch die schnellfuhr hieher geschickt und nur den kleinsten theil dieser mit mir genommen hatte. mein langweiliges Bureau- 1 Andrians schwester war anlässlich der hochzeit von erzherzogin Adelheid und kronprinz vittorio emanuele v. sardinien-Piemont in turin gewesen und hatte anschließend eine reise durch die schweiz unternommen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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