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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 313 -
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31310. Juli 1842 dürfte doch wohl nach florenz als gesandter kommen,1 ob er da an seinem Platze ist, ist eine andere frage. [mailand] 10. Juli nicht viel Besonderes seit 14 tagen. meraviglia wird nächstens ganz herge- stellt seyn, dagegen starb vorige Woche Paul d’Adda nach einer 48stündigen krankheit an einem nervenschlage. 3 tage vorher hatte ich im theater mit ihm gesprochen. die viceköniginn ist in einem jammervollen Zustande, und was dabey komisch genug ist, der erzherzog selbst ist untröstlich, il ne se doutait jamais de rien, der gute herr, ich aß am tage vor seinem tode, da er schon in der Auflösung war, bey hofe und sah wie alle Welt den schmerz der erzherzoginn. die Wittwe caroline d’Adda, gegen die er sich so unschön benahm, ist nun hier angekommen. vorgestern war die große vielbesprochene sonnenfinsterniß, für mailand total, ich betrachtete sie von einem thurme in der kaserne del castello, um 5 uhr 15 minuten früh fing sie an und dauerte bis 7 uhr 17 minuten. 2 1/2 minuten lang war sie total, so daß die sonne ganz verdeckt war und man um die mondscheibe nur einen ring zitternden, gleichsam elektrischen lichtes sah, es war der großartigste Anblick, dessen ich mich erinnere, ein grünlich- graues licht, welches ganz mailand unter mir, die landschaft weit umher, den dom etc. beleuchtete, doch hätte man zur noth lesen können. es wird hier immer langweiliger und stiller, Alles geht weg, beynahe meine ganze tischgesellschaft von cova in die verschiedenen lager, theils nach Aviano und Pordenone, theils nach somma, spaur’s sind heute nach venedig zur entbindung clementinens,2 Berchtold etc. Alles ist oder geht weg. letzthin wurde die vielbesprochene kassette lord hertfords, welche er im testamente charlotte Zichy vermachte, feyerlich geöffnet, und statt des er- warteten geldes fanden sich darin: 5 dutzend cartons, eine menge scanda- löse miniaturen, und eine Abhandlung sur les différentes maniéres de baiser une femme, die geschichte ist originell, so leid es mir um die arme charlotte thut. ich habe mich jetzt trotz aller Abneigung daran machen müssen, mein manuscript vom vorigen Jahre wieder durchzugehen, denn da campe noch immer nicht antwortet, und ich daher nicht weiß, ob es noch existirt, so schrieb ich ihm zwar neulich einen peremtorischen [sic] Brief und drang auf eine Antwort, um aber keine Zeit zu verlieren, lasse ich es inzwischen durch 1 Auch dieses gerücht bewahrheitete sich nicht, graf karl chotek blieb – allerdings nur bis 1843 – oberstburggraf von Böhmen. 2 Gräfin Clementine Spaur war seit 25.11.1840 mit Graf Alvise Mocenigo verheiratet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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