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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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32126. August 1842 sene ostermesse vorbereitet gehabt, und dieses nur deßwegen nicht gethan, weil er auf seine Anfrage von Wien ungünstige nachrichten über die gerade herrschenden censurverhältnisse erhalten habe. nun aber werde es auf je- den fall mit der michaelismesse, wo nicht schon früher, erscheinen. somit wäre also alle meine unruhe und ungeduld umsonst gewesen so- wie die mühe und der Widerwille, der mir die nochmalige revision dessel- ben, welches nun beynahe völlig wieder abgeschrieben worden ist, gekostet hat, warum schrieb aber auch der närrische mensch nicht? er wollte wohl, wie Welsch meint, uns damit eine überraschung machen. nun ist aber Alles gut, da ich über das schicksal und endliche erscheinen der schrift beruhigt bin. ich hatte in dieser letzten Zeit Zweifel und unschlüssigkeit über ihren Werth, der mir jetzt nicht mehr so entschieden einleuchtete als vor einem Jahre in der hitze des niederschreibens, auch klugheitsrücksichten stiegen in mir auf, ob es nicht gerathener seyn dürfte, den druck zu unterlassen, besonders in hinsicht auf meine gegenwärtigen verhältnisse und Absichten, welche freylich die nämlichen wie im vergangenen Jahre waren. nun aber, da es sich entschieden hat, bin ich auf einmahl wieder beruhigt, und wie Wallenstein: es ist entschieden, nun ists gut, und schnell geheilt ist meine Brust von allen Zweifelsqualen.1 ob der verfasser jemals bekannt wird, ohne mein Zuthun, ist überdieß noch sehr unwahrscheinlich, und wenn auch, in gottes nahmen, wer weiß, wozu das gut ist. interessant waren in diesen tagen die verhandlungen in der französi- schen kammer über das regentschaftsgesetz, welches endlich am 20. mit großer mehrheit angenommen wurde. obwohl unpraktisch, wie alles fran- zösische geschwätz. larocheJaquelin, die wahre praktische illustration zu heine’s klassischem Bilde von den eselinnen saul’s und den eseln carls X.,2 sprach selbst für einen legitimisten zu dumm. lamartine pro und contra zu- gleich, voll poetischer floskeln, darunter aber zwey bedeutungsvolle points saillans: der eine, daß von 28 männlichen regentschaften, die die geschichte europas kenne, 23 mit königsmord geendet hätten, der andere, daß die kammern ihr recht, von fall zu fall den regenten zu ernennen, selbst in 1 friedrich schiller, Wallensteins tod, 3. Aufzug, 10. Auftritt: es ist entschieden, nun ist’s gut – und schnell / Bin ich geheilt von allen Zukunftsqualen. / die Brust ist wieder frei, der geist ist hell: / nacht muss es sein, wo friedlands sterne strahlen. 2 Andrian spielt hier wohl auf sauls Auftrag, in der Wüste die eselinnen seines vaters zu suchen, an, und das darauf bezügliche sprichwort „du gehst eselinnen suchen und kommst zurück als könig.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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