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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 323 -
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3234. September 1842 in gleicher Absicht hatte ich mich bald nach meiner Ankunft hier an den sehr unverdienter Weise berühmten geographen Adriano Balbi gewendet, fand ihn aber noch leerer und jämmerlicher als ich erwartet hatte. [mailand] 4. september interessant ist die Wendung, welche in der letzten Zeit die öffentliche stim- mung und die Publizistik deutschlands, besonders süddeutschlands, zu gunsten oesterreichs und unserer regierung nimmt, es ist ein unaufhörli- ches kokettiren mit uns, ein allgemeiner Wunsch nach Annäherung, welche freylich von unserem wie von ihrem interesse gebothen zu werden scheint, und ein eben so allgemeines vielleicht auch geflissentlich übertriebenes lob der neuesten regierungsakte bey uns, übrigens muß man anerkennen, daß unsere regierung wirklich in der letzten Zeit und namentlich in finanzieller und industrieller Beziehung eine rege und aufgeklärte thätigkeit entwik- kelt. von ihrer energischen übernahme und Beförderung unserer großen staatseisenbahnen (wovon freylich ihre tergiversationen und Plackereyen der mailand-venezianer Bahn eine Ausnahme bildet, die mir um so uner- klärlicher ist, als sie offen darauf hinausgeht, die der gesellschaft ertheilte concession rückgängig zu machen und sie auf staatskosten zu bauen, wovon ich den nutzen so gar nicht einsehen kann) gar nicht zu sprechen, hat sie im verlaufe dieses Jahres mehrere maaßregeln von theils größerer theils geringerer Wichtigkeit getroffen, welche, wenn auch mitunter zum theile verfehlt, doch ihr Bewußtseyn beurkunden, daß die gegenwärtige stellung eine unhaltbare sey, aus der man um jeden Preis heraustreten müsse. vor- nehmlich ist es die eröffnung von Absatzwegen, die Befreyung des verkehrs von unnützen fesseln und die vielleicht übertriebene Begünstigung des kre- dits, die das hauptargument Baron kübeck’s bilden. so das neue Postgesetz, die Postconvention mit Bayern, womit der Anfang zur Abschaffung des fran- kirungszwanges zwischen verschiedenen staaten gemacht wird, ein neues und sehr folgenreiches Prinzip, die Aufhebung der einfuhrszölle auf rohe Baumwolle, die freygebung des transportes von reisenden durch Privatun- ternehmungen, die unterhandlungen mit england wegen übernahme der indischen Post, und noch viel andere, die erst in der vorbereitung begriffen sind. schon das rütteln an einem alten rumpelkasten ist verdienst, weil da wenigstens all die staubwolken und nachteulen zum vorschein kommen, die darinnen hausen. die allgemeine Zeitung brachte jüngst eine reihe von vortrefflichen Ar- tikeln, worin der nutzen eines Anschlusses oesterreichs an den Zollverein nachgewiesen wurde, wobey die freyhafeneigenschaft, ohnehin ein über- bleibsel der handelsbarbarey vergangener generationen, triests, venedigs etc. aufgehoben und diese zu Absatzpunkten für das ganze Zollgebieth wer-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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