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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 329 -
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3292. Oktober 1842 lago maggiore, Baveno, lago d’orta und varallo zu fahren und dabey ste- hen zu bleiben, denn unsere Zeit war gemessen, da wir heute samstag wie- der zurück seyn wollten. Aber in derselben nacht regnete es schon wieder und ärger als je am tage darauf, wo wir dann in verzweiflung über melide und Porto morcote nach varese fuhren, dort trennten wir uns, neipperg ging zu litta, ich ins Wirthshaus und trachtete, den rest des tages so gut ich konnte todtzuschlagen. tages darauf fuhr ich nach mailand, wo ich um 9 uhr ankam, und seitdem ist es das herrlichste Wetter. o tücke des schick- sals. Während meiner Abwesenheit ist meine Wohnungsveränderung bewerk- stelliget worden, und da hatte ich dann diese 2 tage vollauf zu thun, ich bin mit dem tausche sehr zufrieden und glaube, in jeder hinsicht gewonnen zu haben. Alles ist weg und mailand grundlangweilig. vielleicht fahre ich künftige Woche auf 48 stunden zu den manœuvers und der Parade bey Brescia, es gibt dort ein paar schock erzherzoge. indessen sitze ich hier bey meiner lie- ben elise Berndis, welche auch im Publikum zu gefallen anfängt, die sache wächst sich zu einer herzzerreißenden, vernichtenden, wahnsinnbringenden leidenschaft heraus. unter den Briefen, welche mich bey meiner rückkehr hier erwarteten, war einer von Auguste [horrocks], welcher mich und zwar beynahe un- angenehm frappirte. seit dem vor einigen monathen erfolgten tode ihres lieblingsbruders eustace und wohl auch in folge all ihrer häuslichen un- glücke ist sie zur religiösen schwärmerinn geworden und hat ihren sonst so weltlichen sinn bloß auf gott und Jenseits gestellt. von herzen gönne ich ihr, der unglücklichen, schwergeprüften, diesen trost, denn ein solcher scheint ihre neue überzeugung für sie zu seyn, aber nun fängt sie an, auch für mich gewissensqualen zu empfinden und sich zu ängstigen, daß ich, das Weltkind, verdammt und so auf ewig auch in einem anderen leben von ihr getrennt werden dürfte. und so nimmt sie mich jetzt förmlich in die Predigt und schreibt mir einen 8 enge seiten langen Brief voll religiöser salbung und dringender vorstellungen, mich zum Wege des heiles zu bekehren. Wie gesagt, ich freue mich über den ihr gewordenen trost, ängstige mich, daß ihr bey ihrer angeborenen exaltation aber aus dieser neuen tröstungsquelle ein neuer heftiger schmerz, die sorge um mein seelenheil, entstehen dürfte, und erkenne gerührt und dankbar die unvergängliche überschwängliche liebe, welche sie mir gewidmet hat, und die sich wohl in keinem andern frauenherzen wiederholen wird. Je länger wir uns kennen, desto mehr komme ich zur überzeugung, daß so wie Auguste mich liebte und liebt, nur höchst selten auf erden gefühlt und geliebt worden ist. Was mich betrifft, so mache ich keinen Anspruch mehr, jemals wieder einer gleichen liebe
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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