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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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33329. Oktober 1842 liener gegen Alles, was das point d’honneur betrifft, mag er nach der garsti- gen geschichte, welche seine von der samoyloff arrangirte heirath mit ihrer schwester vereitelte, doch nicht so gleich in seine cara patria zurückkehren. übrigens ist Julie’s mann vor kurzem in rußland gestorben, und so wird sie diesen Winter hier ziemlich still leben. Wir werden übrigens allem An- scheine nach ein sehr brillantes theater haben. taglioni und cerrito sind Beyde engagirt, was mich der taglioni wegen kränkt, da sie zu gut dazu ist, in den pöbelhaften kampf der hiesigen theaterpartheyungen herabgezogen zu werden. Jetzt ist sie in Bologna, trubetzkoi wie natürlich hinter ihr her. meine platonische liebe mit der guten elise Berndis fängt mich zu lang- weilen an. doch fasse ich mich in geduld, da es ohnehin wahrscheinlich nicht mehr lange währen dürfte, wenn sie merelli nämlich, wie es scheint, auf den Winter anderswo singen läßt. Zudem finde ich auch fast immer lang- weilige leute dort, unter andern jetzt den Portraitmahler Petter aus Wien mit seiner frau, ich glaube, ich werde nach und nach auch neipperg’s An- sicht theilen und alle deutschen frauen, besonders aber die deutschen mäd- chen, aus lauter sentimentalität und langweiligkeit unausstehlich finden. Apropos, von clotilde keine Antwort trotz meines freundlichen entgegen- kommens, das sieht nun denn doch aus wie eine Brouillerie, aber warum dieses? das möchte ich doch wissen. sonst nicht viel neues, ich habe letzthin an geringer geschrieben von meinen reiseprojekten, und um ihn zu fragen, ob Baron kübeck, falls er mir, wie ich voraussetze, Aufträge geben wolle, den gegenwärtigen Zeit- punkt für geeignet halte, oder ob er vielleicht der meinung wäre, daß es besser sey, meine reise um etwas aufzuschieben. mein eigentlicher Zweck hierbey aber war, kübeck die sache neuerdings und von einer vorteilhaften seite in erinnerung zu bringen, weil ich voraussehe, daß, wenn erzherzog stephan, der nun bald in Wien zurück seyn muß, mit graf kolowrat dar- über sprechen wird, er darüber befragt werden wird. Weiters läßt sich für den Augenblick nichts thun. An graf hartig zu schreiben, wozu er mich er- mächtigte, halte ich jetzt nicht für passend, erstlich weil ich nicht weiß, wie er, der die ganze sache nie recht gôutierte, über den geldpunkt, welcher nun der haupt- wo nicht der einzige Anstand ist, denken wird, dann weil ich an der Mächtigkeit seines Fürwortes bey Kolowrat zweifle, und endlich weil mein Avancementsgesuch gerade jetzt bey ihm liegt, und ich dieses denn doch nicht verderben will. in der politischen Welt zieht deutschland und vornehmlich Preußen täg- lich mehr meine und wohl auch die Aufmerksamkeit der gesammten civili- sirten und Zeitungen lesenden masse an sich. es vergeht fast kein tag, der nicht neues und interessantes brächte, und das ist der Weg für Preußen, eine wahre und wohlthätige hegemonie in deutschland zu erlangen. da gibt
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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