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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 339 -
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33927. November 1842 Wir haben jetzt eine vortreffliche französische komödie hier, wenigstens einige ganz ausgezeichnete schauspieler, z.B. m. Josse, m. doligny, m. und vor allem mad. taigny, welche das nonplusultra von grazie und liebens- würdigkeit ist. elise Berndis geht in acht tagen fort und nach turin, ebenso der hof, jedoch dieser nach venedig, dagegen ist Julie samoyloff hier geblie- ben und dürfte wohl den Winter hier zubringen, was für mich sehr ange- nehm ist. ihr salon ist nun wieder in eine ganz deutsche Phase getreten und eigentlich nur eine elegantere Wiederholung cova’s geworden. doch ist es immer so weit besser und angenehmer als wie er, wie im vorigen Jahre, aus- schließlich von martini und consorten dominirt war. mit mathilde Berchtold ist sie wenigstens pro forma ausgesöhnt, und diese kömmt manchen Abend zu ihr. eine garstige geschichte ist der Prozeß, welchen caroline d’Adda, Paul’s Witwe, mit dem hiesigen civil-tribunale führen muß, welches ihr die vormundschaft über ihren sohn wegen schlechter Aufführung abgesprochen hat, die viceköniginn soll, wie man allgemein sagt und ich aus guter Quelle weiß, den Präsidenten etc. selbst gesprochen und sie gegen die mutter auf- gereizt haben. doch hat das Appellationsgericht das urtheil erster instanz kassirt und dieser befohlen, der mutter ihre entscheidungsgründe mitzu- theilen, damit sie sich rechtfertigen könne, und da sind dann gründe zum vorscheine gekommen, wie der, daß sie bey den lektionen ihres sohnes nie zugegen gewesen sey, daß dieser eine unüberwindliche Abneigung gegen sie habe, zu diesem Behufe wurde der 13jährige knabe eigens vor gericht geru- fen, und dergleichen mehr. es scheint aber gewiß, daß dieser ungerechte und tyrannische spruch nicht wird durchgesetzt werden können, man kann sich aber denken, wie die leute über diese geschichte und die dabey stattgehabte allerhöchste influenzirung losziehen. dadurch kommen dann alle alten und uralten geschichten, um welche die ganze Welt weiß, ausgenommen der durchlauchtige gemahl, wieder aufs tapet. das merkwürdigste, was jetzt in der politischen Welt vorgeht, sind un- streitig die letzten vorfälle in serbien und der Wallachey, die vertreibung der obrenowics und einsetzung czerny’s unter Aufhebung beynahe aller serbischen freyheiten,1 und nun die von rußland erzwungene Absetzung ghika’s, man spricht nun schon, daß kisseleff hospodar der Wallachey wer- den soll,2 und überall bewährt sich rußlands hand und intrigue, und über- all oesterreichs stupide unthätigkeit, und zum tausendsten male der „große 1 Gemeint ist Alexander Karageorgević, der nach dem Sturz von Michael Obrenović zum Fürst von Serbien gewählt wurde. Sein Vater war Georg Petrović Czerny, genannt Karage- org. 2 Zum nachfolger des Anfang oktober 1842 gestürzten hospodars (fürst) Alexander ghika wurde im Jänner 1843 georg Bibescu gewählt. der russische general graf Paul kiselev war 1829–1834 gouverneur der moldau und Walachei gewesen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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