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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 343 -
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34324. Dezember 1842 Bombelles, der hofdame Zobel, bey graf spaur, Pachta etc. um 4 uhr war diner bey hofe, fast bloß oesterreicher, bey dem cercle, der diesem voran ging, war ich der erzherzoginn vorgestellt worden. das diner war wie Alle dergleichen langweilig und steif. vom diplomatischen corps war außer schwarzenberg nur noch der brasilianische gesandte mando da, welcher der erzherzoginn so eben das großkreuz des ordens vom südlichen kreuze überbracht hatte. um 1/2 9 war großes hofconcert und große galla, unsere kammerherrnschlüssel öffneten uns den eintritt ins Allerheiligste, wo die erzherzoginn cercle hielt, während Alles Andere, groß und klein, draußen sitzen mußte. das concert war ziemlich hübsch und der Anblick des gan- zen brillant. um 11 war Alles aus, und gegen 1 uhr fuhren Pergen und ich mit einem vetturino ab, froh, diese corvée überstanden zu haben, und ich wenigstens entschlossen, diesen Besuch nicht mehr zu wiederholen, indem es nur gêne ohne irgend eine unterhaltung gab. nach einer kurzen rast in fiorenzuola waren wir gegen 10 uhr in Piacenza. dort ließ ich Pergen zurück, der dort neipperg abwarten wollte, welcher in der nacht nachkom- men sollte, und fuhr auf einem zweyrädrigen karren ohne alle Bagage sehr schnell nach lodi, nahm dort den eilwagen und war vor 7 uhr Abends zu hause. hier ist eine allgemeine débandade, der hof geht am 19. nach venedig und mit ihm wie natürlich gabrielle, am 22. verläßt uns zu meinem großen leidwesen die französische komödie und mit ihr mad. taigny, welche mir den kopf rein verdreht hat, hätte ich viel geld, so wüßte ich dieses nicht besser anzuwenden als für sie, endlich am 20. reist die samoyloff nach Paris, was für mich ein sehr großer verlust ist, da ihr salon eine sehr angenehme ressource ist, erst gestern brachte ich da einen charmanten Abend zu. die frezzolini und Poggi waren da und sangen himmlisch. sonst nichts neues. Barcelona hat sich nach einem starken Bombarde- ment à discretion ergeben, ich hoffe, espartero macht main-basse über das hunde-nest, ich ließe an seiner stelle die nationalgarde decimiren, ströme von Blut müssen fließen, um den leuten ihre revolutionswuth zu verleiden. fürst metternich pfeift scheint es, auf dem letzten loche – glück zu. [mailand] 24. dezember Bis heute hatten wir das schönste Wetter von der Welt, wahre frühlings- tage, heute regnet es und verspricht üble feyertage, ein großes désappointe- ment für die mailänder. vorgestern war die letzte vorstellung der französischen komödíe, und zwar eine außerordentliche zum Besten der gesellschaft, die mit Ausnahme der beyden taignys sich in sehr mißlichen umständen befindet. die ein- nahme war jedoch äußerst glänzend, was besonders mad. taigny zu danken
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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