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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 351 -
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35119. Jänner 1843 kurzer Abriß des ideenganges in derselben gegeben, und nun geht es an ein hin- und herrathen über den verfasser. er glaubt, derselbe stamme aus Böhmen (warum? das kann ich mir nicht erklären, wirklich höre ich hier, daß man leo thun für den verfasser hält) und sey „ein lehensvetter von Bülow Cummerow“, „ein Edelmann nach Stand und Gesinnung, überflogen von moderner Bildung und tendenzen, liberal bis auf einen gewissen grad und ebenso bis auf einen gewissen grad konservativ, wohlunterrichtet und wohlmeinend, patriotisch für sein vaterland, aber noch patriotischer für seinen stand.“ er sey noch jung, weil er sage, er hoffe, die stehenden heere noch mit eigenen Augen verschwinden zu sehen, und kein litterat vom Fache, weil er dazu nicht leicht genug schreibe (das war der empfindlichste hieb, denn ein eleganter styl erat in votis, obwohl ich einsah, nichts sey so schwer, als auch bey stellen einfacher, ruhiger darstellung gefällig und fließend zu schreiben), sich in keine Persönlichkeiten verloren hätte und auf göthe schimpfe. hierauf wird, ohne eine Widerlegung zu versuchen, ohne auch nur sich auf das im Buche gesagte irgend einzulassen, vorzüglich die aristokrati- sche seite desselben hervorgehoben (was ziemlich boshaft ist, besonders so herausgerissen aus dem ganzen) und diese tendenz scharf hergenommen, wobey sich eine ziemliche Bitterkeit gegen den Adel kundgibt. obwohl man nun im ganzen diesen Artikel für ziemlich feindselig hal- ten muß, so beweist er doch schon durch sein bloßes erscheinen und mehr noch durch seine ganze haltung, daß dem Buche eine mehr als gewöhn- liche Bedeutung zugestanden wird, und das ist vor der hand genug. daß es darin manches gibt, was ich heute nicht mehr so schreiben würde, wie ich es vor anderthalb Jahren [ge]schrieben, habe ich nicht nur selbst an- erkannt, sondern auch in diesen Blättern niedergeschrieben. ich bin be- friedigt, wenn man in der schrift mehr als bloße schreibesucht und ei- telkeit und keine pöbelhafte leidenschaftlichkeit entdeckt, sondern eine wohlwollende Absicht und praktische, staatsmännische ideen, über deren richtigkeit dann freylich ein Jeder sein urtheil hat. denn nur solche ideen und solche männer haben eine Zukunft. ich kann nicht sagen, daß diese er- ste Beurtheilung meines ersten schrittes in das öffentliche leben mir eine besondere gemüthsbewegung hervorgebracht hätte, so unverhofft sie mir auch zu gesicht kam, im ersten Augenblicke war es ein frohes gefühl der Bedeutendheit meiner Produktion. Bitterkeit über die mancherley Ausfälle in der Beurtheilung empfand ich nicht und eben so wenig einen ernstlichen gedanken einer Widerlegung, obwohl sich diese in manchem leicht und schlagend geben ließe. übrigens geht das Buch hier sehr schnell ab, die größere hälfte der hie- her gesandten exemplare ist bereits vergriffen, und der Buchhändler sagt
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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