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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 359 -
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35911. Februar 1843 schrods interessantes Werk über englands handel und gewerbe1 etc. der Zollverein hat in list’s neuentstandenem Zollvereinsblatt ein organ gefun- den, welches, das bin ich gewiß, ein historisches ereigniß werden wird,2 schon schreyen und wüthen die englischen Blätter gegen dasselbe und des- sen, wie sie sagen, antisociale tendenzen. manches mag wohl in list’s An- sichten übertrieben und unklar seyn, aber im ganzen ist doch sein system die Wahrheit, und er der erste, der den muth hatte, es offen auszusprechen und bis auf alle seine consequenzen durchzuführen. und deßhalb hat auch sein Buch über die nationale Oekonomie, welches ich im verflossenen Herb- ste las, in mir eine Art von Abschnitt und epoche gemacht, wiewohl es zum theile nur aussprach, was ich schon früher gedacht hatte.3 überhaupt aber liegt unsere ganze Zukunft in diesem gebiethe, unsere ganze Politik ist hinfüher [sic] eine kommerzielle, je mehr ich diese fragen studire, desto mehr überzeuge ich mich davon, ein grund mehr, sich dafür zu interessi- ren. erbärmlich sind, wie gewöhnlich, die diskussionen der französischen kammern. dießmal ist das durchsuchungsrecht und die verträge deßhalb mit england das langweilige ermüdende steckenpferd, auf dem die kerle reiten, ohne auch nur ein Wort von deren eigentlicher Bedeutung zu ver- stehen oder verstehen zu wollen. don Quixote lamartine ist mit sack und Pack zur opposition übergegangen, welche aber bisher nur eine mäßige freude über diese neue Acquisition hat. merkwürdig ist dabey das einstim- mige urtheil aller Blätter, der französischen wie der fremden, über seine nullität als Politiker, wieder eine lektion, daß es mit Poësie und Worten in der Politik nicht abgethan ist. [mailand] 11. februar gestern schickte mir flore Breda’s Antwort auf meine Briefe. sie ist äu- ßerst ungünstig, indem sie sagt, daß erzherzog stephan mit kolowrat we- gen meiner reiseanträge gesprochen habe, daß aber wenig oder gar keine hoffnung zur realisirung meiner Absichten vorhanden sey, indem man mir die nöthigen technischen und kaufmännischen kenntnisse nicht zutraue. so geht es bey uns immer, wer nicht ein altersgrauer esel geworden ist, hat in oesterreich immer eine ungünstige meinung gegen sich, und deß- halb stehen wir als wahre esel am Berge. die rede wegen der technischen 1 carl theodor v. kleinschrod, großbritanniens gesetzgebung über gewerbe, handel und innere communicationsmittel statistisch und staatswirthschaftlich erläutert (stuttgart 1836). 2 das Zollvereinsblatt erschien seit Jänner 1843 in Augsburg. 3 friedrich list, das nationale system der politischen ökonomie (stuttgart 1841).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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