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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher380 besuchen, wo er campe treffen wird. da werde ich dann Weiteres erfah- ren, besonders in Betreff der 2. Auflage, welche vorzüglich in Deutschland versandt werden sollte, da die erste ausschließlich nach oesterreich ging. Abgesehen von den gebothen der in meinen verhältnissen und bey meinen gegenwärtigen Bemühungen nothwendige klugheit habe ich auch schon deßwegen keine versuchung gefühlt, mich als verfasser zu bekennen, weil das Buch doch manche Ansichten enthält, besonders in staatsökonomischer hinsicht, welche jetzt nicht mehr die meinigen sind, und weil ich seit der Zeit vielleicht auch durch größeres studium, vornehmlich aber wohl durch den seitdem eingetretenen erfreulichen umschwung in der regierung, zu heitereren, optimistischeren Aussichten in unsere Zukunft gekommen bin, als es damals der fall war. kurz, jetzt würde ich das Buch gar nicht oder doch in manchen stücken anders geschrieben haben. Wenn aber ohne mein Zuthun die Wahrheit bekannt würde, so würde ich sie frey und offen und ohne irgend eine Anwandlung von scham oder vorwurf bekennen. denn immerhin bleibt es ein bedeutendes, seinen verfasser ehrendes Produkt, was auch die ihm gewordene glänzende Aufnahme beweist, welche es doch wahrhaftig weder durch pikante Persönlichkeiten noch dadurch erlangt hat, daß es den leidenschaften irgend einer Partey ausschließlich schmei- chelte. niemand auf erden kennt den verfasser als ich, Welsch, der Alles besorgte, dürfte ihn ahnen, aber auch weiter nichts. Also dürfte dieses epi- sodium meines lebens wohl ein ewiges geheimniß bleiben. [mailand] 30. April vor 3 tagen wurde gegen 7 uhr Abends eine Art von Attentat auf die Per- son des vicekönigs verübt. er kam eben mit seinem kammerherrn carcano vom spatziergange zurück, als ihm ganz in der nähe der Burg ein narr, ein gewisser sinelli aus cremona, näherte, ihm eine Bittschrift überreichte, und als er sie nicht annehmen wollte, mit einem eisernen instrumente einen stoß versetzte, welcher aber bloß die kleider an der rechten seite zerriß, die haut aber nicht verletzte. er wurde gleich ergriffen und gestand sogleich seine Absicht, den erzherzog zu tödten, indem er behauptete, dazu von gott eine mission erhalten zu haben. man fand bey ihm eine schrift in diesem sinne und mit evidenten Zeichen von geisteszerrüttung, weßwegen er auch schon einmahl im irrenhause war, aber im Jahre 1840 als geheilt entlassen wurde. der vorfall machte große sensation und erregte allgemeinen unwil- len und theilnahme, leider verstand es der erzherzog hier wieder, wie ge- wöhnlich, nicht, den Augenblick zu benützen, sondern fuhr, wie schon früher bestimmt gewesen, tags darauf (am 27.) in aller frühe nach turin ab, so daß das Publikum ihn seit diesem vorfalle gar nicht gesehen hat, und der günstige eindruck längst verwischt seyn wird, bis er wieder hier erscheint.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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