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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 389 -
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3896. Juni 1843 von venedig aus kannte, wiewohl ich mich an ihn nicht erinnern konnte. tags darauf gegen mittag waren wir in verona, Abends in Padua, und erst um 3 uhr morgens hier, wo ich dann noch müde und matt wie ich war, in 5 Wirthshäusern herumfahren mußte, ehe ich endlich im leone bianco ein elendes Zimmer fand. Wegen der Pfingstfeyertage und der regatta, welche heute stattfinden soll, ist venedig mit fremden überfüllt. nachdem ich aus- geschlafen und gefrühstückt hatte, ging ich meine Bekannten aufsuchen, zuerst feldmarschallleutnant Zichy, dann thurn, Pascotini, reviczky etc., soranzo etc., dann ging ich auf den marcusplatz, wo ich wieder eine unzahl Bekannte fand, bis es essenszeit wurde. ich aß bey thurn mit dem major gorrizutti und seiner frau, Pascotini etc. nachher machte ich, wiewohl es ziemlich kühl war, meine beliebte gewöhnliche spazierfahrt in der gondel, flanirte dann auf der riva dei schiavoni, auf dem marcusplatze vor den caffeh häusern etc. mit thurn’s, reviczky, etc. herum, kurz, brachte auf ächt venezianische Weise meine prima sera zu, traf dann marmont, mit dem ich lange auf und ab und endlich zu thurn ging, wo ziemlich viele leute, erz- herzog friedrich, reviczky, Pascotini, Albrizzi, galvagna, michiel, Allegri etc. und ein clavierspieler sartorio waren, da wurde thee getrunken und bis 12 uhr geblieben. dann setzte ich die schöne gräfin reviczky in ihre gondel und ging dann noch auf den Platz, um meine alten freunde im caffé florian zu sehen. Auch hier fand ich Alles noch wie vor 8–9 Jahren. so oft ich nach venedig komme, freut es mich, immer Alles auf dem alten flecke zu finden und lauter freundliche wohlbekannte gesichter, in mailand entwöhnt man sich ganz, dergleichen zu sehen. und doch scheint venedig in ziemlichem fortschritte, die gasbeleuchtung, die eisenbahn, die société commerciale etc., das sind Alles symptome eines bedeutenden materiellen Aufschwunges. im übrigen aber sind die venezianer noch immer gewaltig zurück und in einem Zustande provinzieller und lokaler Abgeschiedenheit, welche mir auf die länge unausstehlich wäre. heute 5 uhr nachmittags ist regatta, wenn das Wetter keinen strich durch die rechnung macht, und heute nacht fahre ich mit dem dampfschiffe nach triest ab. triest 6. Juni Abends gestern vormittags war ich bey einem großen concerte in der Appollinen, wo unter andern dlle nathalie fitzjames, die tänzerinn, sang. niemand will heutzutage bey seinem handwerke bleiben. es regnete gestern häufig, so daß man bis zum letzten Augenblicke dachte, die regatta würde nicht stattfinden können, gerade gegen 5 uhr aber klärte sich das Wetter auf, und es wurde der schönste Abend. ich aß bey Zichy mit erzherzog friedrich in aller eile ein ganz excellentes diner,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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