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seine Abschiedsbesuche zu machen und zu empfangen, da er nach Prag
kömmt, ich war ebenfalls bey ihm, es thut mir um ihn leid.
der hof, d.h. der vicekönig fährt endlich übermorgen nach Wien ab,
nachdem er durch ein monath auf die rückkehr seiner frau von turin
gewartet hatte. diese kam dann endlich vor einigen tagen, und nun, nach-
dem er früher entschieden erklärt hatte, er würde auf keinen fall ohne
sie reisen, reist er allein, und die viceköniginn, sammt marie und leo-
pold, der soeben den sardinischen Annunziatorden erhalten hat, werden,
so heißt es, in einiger Zeit nachfolgen, denn sie findet es für nothwendig,
zum drittenmahle mit jenen Beyden nach turin zurückzukehren, um sich
für den orden zu bedanken, und so wird sie ganz gewiß Wien für dieß
Jahr gar nicht sehen. das war von Anfang an ihre Absicht. die frau ist
von capricen und Bosheit zusammengesetzt. komisch ist dabey hardegg’s
Verzweiflung.
so eben erhalte ich aus darmstadt eine Antwort erzherzog stephan auf
meinen Brief an [sic] venedig, er sagt mir, bereits an kübeck meinetwegen
geschrieben zu haben, und verlangt, ich solle ihm seinerzeit das resultat
unserer Bemühungen mittheilen.1 Wir wollen sehen, ob und wie weit Alles
dieses nützen wird.
[mailand] 27. Juli
meine denkschrift für kübeck ist endlich vor acht tagen abgegangen
gleichzeitig mit einem einbegleitungsschreiben an denselben und einem
detto an geringer.2 heute habe ich nun an oettl nach triest geschrieben,
um stadion mitzutheilen, daß ihm dieselbe wahrscheinlich, oder vielmehr
hoffentlich, in kurzer Zeit zukommen dürfte. meinerseits ist nun Alles
gethan, und wir wollen nun den erfolg abwarten.
der vicekönig ist weg, seine frau jedoch hier und unpäßlich, mit ihrer
reise nach Wien sieht es somit übel aus, und das thut mir um gabrielle’s
Willen leid, weil sie in diesem falle erstlich um ihre reisediäten kömmt,
und dann nach vollendeter cur in carlsbad alsogleich wieder hieher zu-
rückkehren muß, ohne sich länger in Böhmen aufhalten zu können.
ich selbst werde wahrscheinlich am 4. abreisen, vorerst nach lucern, ich
schwanke noch zwischen simplon und gotthard, ersteren würde ich nach
2 verunglückten versuchen gerne einmahl sehen, dagegen aber weiß ich
1 erzherzog stephan an Andrian, darmstadt 1.7.1843 (k. 114, umschlag 663). in dieser Ant-
wort auf Andrians Brief vom 10. Juni aus venedig schreibt der erzherzog, er habe dessen
gesuch „zur möglichsten Berücksichtigung warm empfehlend“ bei kübeck befürwortet.
2 Eine Abschrift des Schreibens an Kübeck, datiert Mailand 10.7.1843, findet sich in K. 114,
umschlag 663.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Band I
- Titel
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Untertitel
- Tagebücher 1839–1858
- Band
- I
- Autor
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Herausgeber
- Franz Adlgasser
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2011
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 744
- Schlagwörter
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Kategorie
- Biographien