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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher404 lein aus ungarn (welches mir sehr bekannt vorkam) sammt seinem magya- rischen hofmeister. ich sah ornavasso wieder, wo ich vor 3 Jahren so lange bloquirt gewe- sen, die Brücke von magiandone, wo ich damals beynahe verunglückt wäre, und war nach einer sehr angenehmen fahrt im cabriolet durch das schöne thal Abends gegen 9 uhr in domo d’ossola. dort wurde Wagen gewech- selt und soupirt, dann ging es weiter, kurz bevor wir nach gondo kamen, wurde es tag, und wir machten dann einen großen theil des simplons zu fuße. im ganzen muß ich sagen, daß dieser Alpenübergang unter meiner erwartung blieb und dem s. gotthard weit nachsteht, er ist sehr lang, sehr kahl und öde, aber nichts grandioses, ausgenommen die letzte strecke be- vor man zum hospiz kömmt, welche über einem thale in schwindelnder höhe vorbeyführt, und wo es mehrere bedeckte gänge, als schutz gegen die lawinen, gibt. Auch sind gleich am Anfange des simplons einige schöne in den felsen gesprengte tunnels. Am hospiz (eine filiale desjenigen am grand-saintBernard) waren wir gegen 9 uhr, und dann ging es rasch ab- wärts, um 11 waren wir in Brig, wo gegessen wurde, dann weiter durch das langweilige, einförmige, öde rhone-thal, bey einer afrikanischen hitze über sierre, tourtemagne nach susten, wo ich gegen 3 uhr ankam, den eil- wagen verließ, ein paar träger nahm und nach dem eine halbe stunde ober der straße gelegenen loueche-la-ville hinaufstieg. dort gab es Anstände wegen meiner Bagage, welche sie mir nicht alle auf mein Pferd packen woll- ten, ich mußte daher nebstbey noch einen träger nehmen. gegen 1/2 5 uhr ritt ich von loueche ab, auf einem sehr beschwerlichen steinigten Wege, wo mir mein Pferd auch einmahl fiel, außerordentlich steil bald bergauf, bald wieder herab, dabey aber eine schöne, wild-romantische natur voll üppiger vegetation, es ging meistens durch Wälder und über Alpenwiesen, und spä- ter auch am Abhange von wilden tiefen schluchten, welche mich an stel- len der gotthardstraße erinnerten. da man nun an einer fahrstraße nach den Bädern baut, so fand ich hin und wieder Arbeiter mit der sprengung von minen beschäftigt, davon einige zu meinem großen mißvergnügen bey- nahe unter meiner nase losgebrannt wurden. der letzte theil der ganzen, 3 stunden langen, reise ging über die Alpenwiesen des hochlandes, wozu die leuker-Bäder gehören, daselbst kam ich mit sinkender nacht an und stieg im hôtel de france bey mad. Bentin ab, that mir mit Wasser, schwamm und rasirmesser gütlich, labte mich durch ein gutes essen und ging dann in den salon, Zeitungen zu lesen. da fand ich ganz unverhofft gilbert Porro, welcher hier die Bäder braucht und mich der lionne des salons des hôtel de france, mad. de gérancourt vorstellte. ich fand in loueche eine kleine colonie franzosen, lustig und immer be- müht sich zu amusiren, wie alle franzosen sind, und Alles dieses gruppirte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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