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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher408 an einem tische, natürlich als stumme nachbarinnen. unter diesen um- ständen war an ein längeres Bleiben nicht wohl zu denken. doch verließ ich ungern interlaken und seine herrliche gegend, one of the brightest spots in the creation. heute früh 11 uhr fuhr ich also ab, mit dem dampfschiffe nach Bri- enz bey trübem ungewissen Wetter, in Brienz aß ich nur etwas Weniges und fuhr dann mit einem ächt schweizerischen char-à-banc ungefähr 1/2 stunde auf dem Wege nach meyringen weiter. dort ließ dann der kutscher Wagen und geschirr mitten auf der straße stehen, sattelte das Wagen- pferd, auf welchem ich nunmehr meine Ascension auf den Brünig machte. der Weg führt ungefähr eine stunde lang hinauf und dann 1 1/2 stunden hinab bis lungern, steinig und schlecht, mitunter auch sehr steil, so daß ich öfters auf den rath meines führers absitzen und zu fuße gehen mußte, sonst aber weder gefahren noch grandiose hochalpenszenen, sondern eine angenehme freundliche gegend wie ein großer Park, meistens durch Wald und dickicht, auf der einen seite mit der herabsicht ins meyringer, auf der andern ins lungerer thal. in lungern angekommen, nahm ich einen Wagen und fuhr längs dem lungern- und sarner-see über sarnen, sach- seln und Alpnach in 3–4 stunden hieher, die gegend war der des Brünig’s ziemlich ähnlich und manchmal sogar ein wenig monoton. hier fand ich am see einen recht guten gasthof und ein sehr unterhaltendes fremdenbuch, in welchem unter andern eine ganze Polemik über die nachlässigkeit des Wirthes im sich-rasieren und über die haube der Wirthin geführt wird (ächt englische Bemerkungen). der Wirt selbst, ein alter mann, machte mir einen langen Besuch und sprach viel von politischen dingen, besonders von der Aargauer klostersache, welche ihm, als eifrigen katholiken, sehr am herzen zu liegen scheint.1 er meinte, nur die intervention von frankreich und oesterreich, gestützt auf eine Armee von 50.000 mann, könne diese frage auf eine befriedigende Weise lösen. Also espartero ist gefallen und die unerklärlichste grund- und gehalt- loseste aller revolutionen hat gesiegt! Was aber wird nun geschehen? die momentan koalisirt gewesenen Partheyen zerfallen schon jetzt in blutigem 1 eine Anfang Jänner 1841 verabschiedete verfassungsreform gab dem großen rat des kantons Aargau eine – dem verhältnis der Bevölkerung entsprechende – protestantische mehrheit, während zuvor beide konfessionen paritätisch vertreten waren. nachdem ein darauf ausgebrochener katholischer Aufstand niedergeschlagen wurde, hob der große rat die acht klöster des kantons auf, was jedoch im Widerspruch zur klostergarantie des eid- genössischen Bundesvertrags von 1815 stand. die tagsatzung (das Bundesparlament) be- schloss ende August 1843 die Wiederherstellung der vier frauenklöster, während die Auf- hebung der männerklöster gegen den Widerstand der katholischen kantone, dem späteren sonderbund, sanktioniert wurde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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