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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 419 -
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4193. September 1843 recensenten so beschaffen sind, aber ich habe hier wie in mehreren andern Beurtheilungen ein absichtliches mißverstehen und verdrehen des wahren sinnes und Ausdrucks gefunden. den leuten ist es nicht um Wahrheit zu thun, sondern darum, ihr geld zu verdienen und die Befehle ihres lohn- herrn zu erfüllen. nous avons fait divorce avec la vérité, wie mir Blacas einstmahls sagte. Die beste der ungünstigen Recensionen, und deßhalb auch die empfind- lichste, die mir zu gesichte gekommen, war ohne Zweifel die in der deut- schen Allgemeinen Zeitung.1 Aber auch sie legte dinge, Ansichten und meinungen unter, welche nie gesagt, nie gedacht worden waren. übrigens sagte mir gestern ein Buchhändler ganz zuversichtlich, herr v. radowitz hätte ihm versichert, der verfasser sey graf Bouquoy in Böhmen. dresden 3. september Abends Am selben tage, an dem ich obiges schrieb, am 31. vorigen monats, fand ich noch im hôtel de russie einige russische herren und damen, mestchersky und gagarin, die ich von Baden her kannte und die mir die neuesten ge- schichten von da erzählten, nähmlich daß Arthur Bathiany sich beynahe den Hals gebrochen hätte, Toni Szapary begleitete die Gräfin Woronzoff bey ihrer Abreise zu Pferde noch eine gute strecke über strassburg hinaus, also gegen 8 stunden, etc. Abends 1/2 10 uhr fuhr ich ab, drey große eilwägen, 25 Personen, ich sehr bequem im cabriolet, es ging über hanau, bis wohin ich den Weg be- reits kannte, und dann, soviel ich davon sah, durch ein langweiliges land und die elenden kurhessischen straßen nach fulda, wo wir morgens 7 uhr ankamen und frühstückten. es ist da ein schöner Platz mit Baumalleen und einer schönen kirche, sonst aber scheint fulda ein häßliches nest. das land blieb auch nachher langweilig, öd, schlecht bebaut, und wie es schien, ebenso schlecht bevölkert, kein Baum, selten ein dorf, schlecht an- gelegte und erhaltene straßen, dazu ein nebliges herbstwetter, kurz es war eine sehr ennuyante fahrt. um 12 uhr wurde gegessen zu Buttlar an der Weimar’schen grenze, und von da an ward die gegend schöner, bis gegen eisenach zu, wo sie ein wahrer garten wird. es läßt sich kaum etwas schö- neres, freundlicheres denken als diese gegend, dicht vor eisenach fuhren wir an der Wartburg vorüber. das hügelland und daher beständige hin- auf- und herabfahren aber dauert fort. gegen 8 uhr waren wir in gotha, welches sich mit seinen schönen Pappel-Alleen in den straßen der stadt äußerst lieblich und ganz wie ein Badeort ausnimmt, und um 11 in der preußischen festung erfurt. von da aber ging unser leid an. denn hier 1 vgl. dazu eintrag v. 3.7.1843.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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