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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 435 -
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43530. September 1843 hamburg 29. september diese reise von Berlin hieher dauerte zu meinem großen verdruße um einen tag länger als ich gedacht hatte. man hatte mir gesagt, daß die dampfschiffe von magdeburg bis hamburg in einem tage führen, statt dessen aber fahren sie in bester fahrt 20–24, und bey dem jetzigen nied- rigen Wasserstande fuhren wir 36 stunden. Zum glücke fand sich eine recht angenehme gesellschaft auf dem dampfboote (stadt hamburg) zu- sammen: 2 Brüder Barons Geyer, preußische Cavallerie-Offiziere, welche zu den manœuvers nach lüneburg reisten, ein englischer general graf Been tinck1 und der erste stallmeister des königs von Preußen, welche Alle, letzterer mit 6 reitpferden, ebendahin gingen, dann war ein junger Wiener, schwarz v. mohrenstern mit seiner hübschen frau, weiters ein Prediger an der irrenanstalt und zugleich vorstand eines Blinden-instituts in halle, endlich ein herr aus stettin, dessen nahmen und stand ich nicht weiß, der aber mein schlafkamerad war, das waren die leute, mit denen ich am meisten war, und obwohl es bis wenige stunden vor hamburg fast unauf- hörlich regnete und stürmte, so verging mir die Zeit (welche ich also ganz in der cajüte zubrachte) doch unter Whist- und schachspielen, essen etc. ziemlich schnell. Wir fuhren alle Augenblicke auf eine sandbank auf, die mit jedem tage lage und richtung wechseln, was die elbe-schifffahrt so schwer macht. die nacht mußten wir stille liegen, und am frühen morgen fuhren wir mit einem segelschiffe zusammen, jedoch ohne großen schaden. vorgestern um 7 uhr morgens waren wir aufs schiff gekommen, und ge- stern gegen 7 Abends waren wir hier. Die Elbeufer sind langweilig, flach und todt, erst im Lauenburg’schen wird die gegend etwas freundlicher, und die letzten meilen vor hamburg sind dann wegen der großen Breite des stromes und der vielen landhäuser zu beyden seiten interessant. übrigens spricht sich der nordische charak- ter nicht nur in dem allgemeinen Anblicke der gegend aus, sondern läßt sich leider auch in der Temperatur empfinden, denn es war schon unter- wegs und ist nun hier doppelt kalt, und ich lasse heute mein Zimmer heit- zen. vor 10 tagen in dux war die sonne noch beynahe lästig! überhaupt denke ich oft an dux und wünsche, daß ich noch dort wäre. hamburg 30. september 1843 schon lange ist meine geduld und mein humor auf keine solche Probe ge- setzt worden wie in diesen tagen, seit ich in hamburg bin. gestern war es heiter, jedoch so infam kalt, daß das thermometer bis auf 1° r. fiel und ich 1 richtig Bentinck. sowohl karl Anton (charles Anthony) wie auch sein jüngerer Bruder hendrik Willem (henry William) graf Bentinck waren generäle in der britischen Armee.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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