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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 453 -
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45321. Oktober 1843 ziemlich mein fall. die tage verstreichen mir unendlich schnell, obwohl ich bisher noch fast keine bekannte seele gesehen habe. doch war ich letzt- hin bey Apponyi und esse heute dort, worüber ich nicht besonders erfreut bin, da es eine ganz unnütze corvée ist. übrigens ist ein großer theil der Bekannten, die ich hier zu finden hoffte, und an denen mir wirklich etwas gelegen gewesen wäre, nicht hier. franz lützow ist noch nicht da, auf ihn hatte ich besonders gerechnet, meyendorf ist in rußland und seine frau auf dem lande, das thut mir leid, Woronzow, narischkin und einige andere Bekannte aus BadenBaden sind da, so auch die langweiligen Borromeo aus mailand, die ich gestern von weitem sah, ihnen aber wohlweislich aus dem Wege ging. smith d’ergay, meinen guten freund aus interlaken 1839, hätte ich gerne gesehen, doch wohnt er nicht mehr rue des champs elysées, und wie ihn ausfindig machen? Einige andere Bekannte, namentlich vom diplo- matischen corps, z.B. Andlau,1 drachenfels etc. sah ich von ferne, fühle aber keinen Beruf sie aufzusuchen, theils weil es nun nicht mehr der mühe lohnt, theils weil sie mir doch keine besondern Agréments machen könnten, doch würde ich gerne Jemand gefunden haben, der schon lange genug hier ist, um mich in die mystéres de Paris einzuweihen, obwohl dazu kaum die Zeit vorhanden seyn dürfte. mittlerweilen vergehen mir, wie gesagt, die tage erstaunlich schnell. seit ich zuletzt in dieß Journal schrieb, habe ich gesehen: die Kirchen S. Germain l’Auxerrois, deren Façade gothisch und sehr schön ist, Notre Dame, wo ebenfalls die Façade schöner als das Innere ist, notredame de lorette, von wo die lorettis ihren nahmen haben, eine charmante kleine kirche, die aber eher einem Boudoir ähnlich sieht mit ihren lampes carcel, vergoldeten kanzeltreppen, Weihwassermuscheln etc., dann die ziemlich armseligen champs elysées, den Arc de l’Ètoile, den schönen großen Bois de Boulogne, den chemin de la révolte, wo im vorigen Jahre der herzog von orléans seinen tod fand, und die geschmacklose, niedrige todtenkapelle, die der könig an der stelle, wo das haus stand, wo er starb, errichten ließ,2 und deren concierge der eigenthümer jenes nun abgetragenen hauses ist, die statue heinrichs 4. auf dem Pontneuf, die depoutirtenkammer, ein superbes gebäude im antiken style, und der sitzungssaal, schön aber klein, die namen der deputirten stehen auf ih- ren sitzen, dann die schönen Palläste des beaux Arts (kunstschule), de la monnaie und de l’institut, die runde tempelförmige halle aux Blés und die grande halle auf dem marché des innocens, die siegessäule auf der place 1 richtig der badische diplomat franz Xaver Andlaw-Birseck. Andrian kannte ihn aus seiner Zeit als geschäftsträger in Wien (1826–1839). 2 der französische thronfolger ferdinand Philippe herzog v. orleans war am 13.7.1842 ge- storben. er war, nachdem die Pferde durchgingen, aus einer kutsche abgesprungen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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