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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher462 ich ging dann in der stadt herum, mir die merkwürdigkeiten turin’s an- zusehen, es gibt mehrere schöne Palläste, der Palazzo carignan, worin das museum und das ägyptische cabinet (das reichhaltigste in europa), welche ich sah, der Palazzo madama, worin die Bildergallerie, und der königliche Pallast, in welchem eine hübsche Waffensammlung seyn soll, welche beyde ich aber nicht sah. dagegen sah ich die berühmte reiterstatue emanuel Philiberts auf der Piazza s. carlo, die Promenade valentino an den ufern des Po, die schöne rotonde bey der Porta Po und von weitem die superga, eine schöne kirche auf einem hohen hügel außerhalb der stadt, von wo man eine magnifique Aussicht haben soll. Überhaupt ist die Umgegend Tu- rins magnifique. Die ganze Kette von den Alpi Marittime bis zum Monte rosa liegt vor einem da. ich traf auf der straße eine mailänder Bekannte, die hübsche kleine Bus- sola aus der tanzschule der scala, welche nun hier als erste tänzerinn engagirt ist, sie klagte mir in aller eile und in ächtem theaterstyle über die cabalen und verfolgungen, denen sie von seiten des Balletcompositeurs und ihrer kameradinn grancini, auch einer mailänder Bekannten von mir, ausgesetzt sey, wollte ich solle sie besuchen, morgen noch da bleiben, um sie zu sehen etc. um 1/2 6 aß ich bei schwarzenberg mit thun, giorgieri und noch einem herrn von der gesandtschaft, dessen nahmen ich nicht weiß, wir hatten ein vortreffliches Diner. so eben lese ich im galignanis messenger vom 31. eine sonderbare ge- schichte. der hannöversche major v. meyerinck, mit dem ich von Antwer- pen nach mecheln fuhr und den ich dann in Brüssel wieder sah, war ein Aventurier und aus dem Strafhause zu Aachen entsprungener Sträfling namens masser, und wurde als solcher so eben in gent arrêtirt, nachdem er dort unter dem nahmen mr. Bedgood in der besten gesellschaft empfan- gen worden war und sich von mehrern leuten hatte geld borgen lassen. mir war der masser von allem Anfange an unangenehm und zweydeutig vorgekommen, doch hätte ich das nicht vermuthet, besonders da er mir von vielen Bekannten, Walmoden, kielmansegge und besonders von malzahn, dessen vetter er zu seyn behauptete, so genaue détails zu geben wußte. mailand 6. november Abends meine reise hieher ging ohne unfall von statten. die Brücke über die sesia war kurz vorher wieder hergestellt worden, und so fuhren wir ohne anderen Aufenthalt als den uns die schlechten Wege, die noch schlechteren Postil- lons (besonders in der lombardie), das Wechseln des Wagens in novara und die bekannte langsamkeit der österreichischen grenzbeamten verur- sachten, bis hieher, wo wir gegen 10 uhr morgens gestern ankamen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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