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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 471 -
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4718. Februar 1844 würdig, kindlich heiter, gutmüthig, gemüthlich, und scheint mich wirklich aufrichtig zu lieben. dagegen ist sie ziemlich launisch, heftig und besonders herrschsüchtig, und da haben wir dann alle Augenblicke unsern kleinen Zank, welcher mich übrigens immer sehr amusirt. kurz, mein kopf dreht sich wie ein Wirbelwind, und das ding wird alle tage schlimmer. ich war in der vergangenen Woche 4–5 tage an geschwollenen halsdrü- sen krank und mußte das Bett und dann das Zimmer hüten. da waren wir denn in einer sehr lebhaften correspondenz, und sie besuchte mich sogar incognito. leider war es gerade in diesen tagen, daß sie einen höchst un- angenehmen Auftritt auf offener straße mit merelli hatte, welcher ihr in seiner groben manier einen pas de caractère, welchen sie tanzen wollte, unter dem vorwande verboth, fanny elssler habe sich alle solche pas vor- behalten. lucile, nervös wie sie ist, mußte sich gleich legen und ist noch immer unwohl und aufgeregt seit jener geschichte, welche bald ernstliche folge gehabt hätte, da sie in ihrem unterleibe revolutionen hervorbrachte. voilá le secret. da mußte ich dann einschreiten (d.h. nicht in den unter- leib), Pachta zu mir zitiren etc. Auch Walmoden kam in Bewegung, kurz wir arrangirten eine Art mezzo termine, unglücklicherweise bestand aber lucile auf ihrem pas, und so stehen die sachen noch, das ist ein wahres Wespennest. übrigens hat fanny elssler ihre letzten minen springen las- sen, d.i. die cachucha, und förmlich fiasco gemacht, dagegen gefällt das di- vertissement, das sie nun statt der Armida gibt, und besonders ein pas, den sie darin tanzt. lucile aber gefällt täglich mehr, und wenn sie sich ihr spiel nicht durch ihre caprices selbst verdirbt und merelli ihr keinen streich spielt, so bin ich überzeugt, daß sie einen completen sieg über die elssler davontragen wird. die arme erzherzoginn marie ist gestorben, gestern kam die nachricht hier an – armes mädchen! – mich hat dieser tod sehr frappirt. näheres weiß ich nicht, nicht, ob gabrielle in den letzten tagen nach Wien gerufen wurde, nicht, ob der hof nun zurückkehren wird. resi spaur ist nun erklärte Braut von Arthur Pallavicini, seit Jahren schwatzten die spatzen auf den dächern davon, und ich bin recht froh, daß es endlich einmahl dazu gekommen ist, und glaube auch, mein scherflein dazu beygetragen zu haben. [mailand] 8. februar es geht so fort, schlecht und recht ohne besondere Aufregung, wie ohne eine specielle unannehmlichkeit, aber mich verläßt diese eigenthümliche stim- mung nie, es ist die überzeugung, daß diese meine jetzige existenz nicht mehr lange dauern kann, und die ungewißheit, wie und in was sie ausmün- den werde, ersteres freut mich, dieses macht mir auf Augenblicke bange.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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