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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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4814. April 1844 ganz ausnehmend wohl. da eben kein theater, denn die carnevalssaison hat wie in mailand geendet und die frühjahrs-stagione fängt erst am 8. als dem ostermontage an, noch sonstige besondere gesellschaftsspäße waren, so brachte ich fast alle meine Abende bey Palfys zu, en petit comité, beste- hend aus sophie Palfy, den 3 hofdamen, fürstinn Jablonowsky, valérie Zi- chy, Jane Pallavicini, unter denen ich meistens hahn im korbe war, da die andern herrn spielten. doch unterhielt ich mich da recht gut, und das ganze kam mir wie ein traulicher gemüthlicher familienzirkel vor, und der ein- druck war mir ungewohnt. einige mahle machte ich auch größere soiréen der venetianerwelt mit: bey thurn, Palfy, galvagna etc. resi thurn ist ab- sorbirt von ihrer lächerlichen leidenschaft zu erzherzog friedrich, welche ihre eltern noch lächerlicher unterstützen. siga Zichy erhielt mich die ganze Zeit in einem Zustande fortwährenden erstaunens, denn er ist seit seiner heirath beynahe ein praesentabler mensch geworden, liebt die gute gesell- schaft, ist in ihr nicht verlegen, hat ein charmantes haus und gibt excellente diners, an einem derselben aß ich mit Zedlitz und reviczky, dessen frau leider in Wien ist. ich mußte nothgedrungen zu beyden erzherzogen gehen, d.h. zum vicekönig und zu friedrich, welcher letztere, besonders seit seiner liebeley mit resi, eine bedeutende schliffelnatur entfaltet. moering, aus Amerika zurückgekommen,1 ist bey den söhnen des erzher- zog rainer als lehrer in der mathematik. hugo nostitz kam, während ich in venedig war, aus dem oriente zurück, eine menge Bekannte aus fernen landen fanden sich da zusammen, unter andern die schöne rosa Bonis, noch immer sehr schön, obwohl etwas stark geworden, dagegen liebenswürdiger und amusanter als sie es sonst gewesen. dazu das schöne, nie genug geprie- sene venedig und das herrliche Wetter. kurz diese letzten acht tage waren sehr, sehr angenehm, und ich hätte ihnen gerne noch acht andere hinzuge- fügt. in einer anderen Beziehung jedoch waren es trübe tage, und zum ersten mahle in meinem leben sah ich venedig in einer Art von politischer Praeoc- cupation, zwey söhne des Admirals Bandiera, beyde seeoffiziere, der eine Adjutant seines vaters, der andere des Admirals Paulucci, sind von venedig und aus der levante verschwunden und nach malta zu den italienischen flüchtlingen gegangen, welche dort eben in großer Anzahl versammelt sind und einen hauptstreich projectiren,2 in cosenza (calabrien) ist ein solcher 1 karl moering hatte während einer längeren nordamerikareise u.a. im Auftrag erzherzog Johanns das dortige eisenbahnsystem studiert. 2 die beiden söhne von kontreadmiral frh. francesco v. Bandiera, Attilio (geb. 1810) und emilio (geb. 1819) wurden nach ihrer gefangennahme am 25.7.1844 in cosenza hingerich- tet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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