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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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4997. Dezember 1844 bey der diplomatie zu erhalten. Auch Bombelles zog sich aus dem spiele und meinte, wegen Brasilien wäre es etwas Anderes gewesen, denn dahin hätten sich nicht viele competenten gemeldet, einen anderen Posten zu erlangen, würde aber für einen in der carrière noch fremden weit schwe- rer seyn, und er seinerseits würde sich, wenn er mich hierin unterstützen wollte, nur feinde unter seinen ehemaligen dienstescameraden machen. ich gab sonach diese idee ganz auf, um sie auf bessere Zeiten aufzube- wahren, und dachte nun daran, von meiner gegenwärtigen provisorischen verwendung einen vortheil zu ziehen, und fand da allerseits, mit einziger Ausnahme des Präsidialsekretärs des grafen inzaghy, regierungsrathes Böhm, wie denn überhaupt dieses Bureaugesindel immer das untraitabel- ste ist, das freundlichste entgegenkommen, besonders bey graf kolowrat, welcher an meiner jetzigen precairen stellung einen besondern Antheil zu nehmen scheint, so daß ich beynahe vermuthe, daß seine Abneigung gegen fürst metternich im spiele sey. ich hoffe somit bald hofsecretair bey der hofkanzley zu werden. im ganzen bin ich über diese entwickelung nicht böse, unter den jetzigen umständen hätte ich in der diplomatie mit manchen schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und manchem, der an Jahren jünger, in der carrière aber älter ist als ich, nachstehen müssen, gerade unter unsern diplomatischen notabilitäten besitze ich nebstdem gegenwärtig wenig oder gar keine ver- bindungen, und diese sind doch eben in diesem Zeitpunkte entscheidender als je. ich sehe zwar ein, daß keine andere carrière für mich erträglich und nur halbwegs zusagend ist als die diplomatische, aber wenigstens bleibe ich nun hier in Wien an der Quelle und kann günstigere constellationen abwarten, welche hoffentlich doch auch für mich eintreten werden. sonst lebe ich ziemlich einförmig fort. die eigentliche saison hat noch nicht begonnen und wird mich auch wahrscheinlich wenig beschäftigen, ich finde, daß es jetzt hier weniger der Mühe lohnt als jemals, sich der hie- sigen gesellschaft wegen en frais zu setzen. das ganze hiesige treiben ist unglaublich beschränkt und kleinstädtisch, und doch wieder fatigant. es regnet nunmehr ernennungen und veränderungen aller Art, beson- ders in der ungarischen verwaltung: Josika ist siebenbürgischer kanzler, georges Appony ungarischer vicekanzler geworden, victor mesznil wurde eclatant entlassen,1 und so will sich die regierung courage machen, nun da der landtag, ihr schranken, entlassen ist. Auch wird viel von energi- scheren maaßregeln gesprochen, welche man in ungarn ergreifen will, par- turiunt montes, nascitur ridiculus mus. erzherzog ludwig und fürst met- 1 im staatshandbuch lässt sich lediglich ein frh. Anton v. mesznil, konzipist an der ungari- schen hofkanzlei, nachweisen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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