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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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50725. März 1845 militärautoritäten einstimmig dafür waren,1 und nun regnet es noch ser- vile danksagungen und angeschafften enthusiasmus. Pulszky ist ebenfalls hier, um die concession zu einer Zeitung für un- garn zu erwirken, ob er sie erhält, steht dahin. die schweizerwirren beschäftigen hier viele leute. fürst metternich macht sein gewöhnliches schafsgesicht, nur etwas länger wie zuvor, und unsere Jesuitenparthey, darunter Bombelles, sind wüthend, daß es den Je- suiten nicht gelingen soll, sich in lucern einzunisten.2 Alexander königsegg, Witwer der armen schönen fidéle Palfy, hat sich in Pesth erschossen und ist 6 tage darauf unter entsetzlichen leiden ge- storben, er war schon seit dem tode seiner frau nicht mehr recht besonnen gewesen. überhaupt scheint ungarn das vaterland exemplarischer ehe- männer zu seyn. Steffi Karoly ist seit dem Tode seiner Frau so nervenkrank, daß er ohne krücken nicht gehen kann, er hat seinem Bette gegenüber ein Portrait seiner frau, welches er mittelst eines Zuges bis dicht vor sein Bett treten läßt, und liegt dann so stunden lang in stummer contemplation. [Wien] 25. märz der Winter will heuer gar nicht aufhören. die charwoche war grimmig kalt, vorgestern ostersonntag hat es am Abend geschneyt, und nun regnet es fortwährend. doch ist die donau endlich vom eise frey, und gestern kam das erste dampfschiff von linz. so wollen wir denn hoffen, für dieß Jahr den Winter bald überstanden zu haben. neues gibt es hier wenig, einige heirathen unter Bekannten: henriette uechtritz und sigmund nostitz, die entsetzliche Julie kolowrat (die ein- mahl bey canitz äußerte, sie tanze gerne mit fetten tänzern, weil sie sich da während des tanzens an seinem Bauche reiben könne) und carl erdödy, vincenz Auersperg und Wilhelmine colloredo etc. dabey obligate leiden- schaft und plötzlich entstandene sentimentalität, welche immer à tout propos aufgetischt wird. gott bewahre einen davor, solch ein jämmerliches verbildetes geschöpf, das man eine Wiener comtesse nennt, zu heirathen! Auch die hochzeit meiner lieben Jetti W[aldstein] wird nun bald stattha- 1 Mit einer Verordnung vom 14.2.1845 wurde die allgemeine Dienstpflicht (Kapitulation) in der Armee für die deutsch-slawischen Provinzen und ungarn auf acht Jahre herabgesetzt, sie betrug zuvor zehn Jahre, in ungarn lebenslang. 2 im herbst 1844 wurden die Jesuiten an die höheren lehranstalten des kantons luzern berufen. ein darauf gestellter Antrag auf Ausweisung der Jesuiten aus der schweiz schei- terte in der schweizerischen tagsatzung (Bundesparlament), zwei Aufstände im dezember 1844 und märz 1845 konnten von der klerikalen luzerner regierung niedergeschlagen werden. diese vorgänge bildeten einen hauptgrund zur Bildung des sonderbundes von acht katholischen kantonen im dezember 1845.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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