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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher508 ben. neipperg war neulich hier, um die letzten Arrangements zu machen. ich glaube nicht, daß ich hingehen werde, da es doch nicht der mühe lohnt, auf die paar tage den Weg allein zu machen, und tettenborn, welcher ge- hen wollte, ist so leidend, daß es ihm schwerlich möglich seyn wird. Ich besuche übrigens sein Haus sehr fleißig und sah neulich dort die üb- riggebliebenen töchter vincenz Bathiany wieder.1 träume vergangener Zeiten, aber noch schöne träume, und vor Allem solche, denen man mit einer gewissen wehmüthigen ehrfurcht naht ohne eine spur des geheimen spottes, der einen sonst bey alten Jungfern anwandelt, so mit Würde tra- gen sie ihr geschick. neulich brachte ich einen charwochenabend bey meiner alten und lieben freundin hortense galvani mit sehr wenig menschen zu. darunter waren henriette eltz, ebenfalls eine alte Prager erinnerung, und ihr mann, herr süß,2 der mir ganz wohl gefiel. Auch zur reviczky gehe ich zuweilen, obwohl ich nach und nach zur ein- sicht gekommen bin, daß die frau sehr wenig verstand und nur eine ganz besondere eigenliebe und eine verschrobene falsche sentimentalität hat. Anfangs bestach mich ihr französischer caquet und einiges in florenz bey dem beständigen umgange mit fremden erworbenes conversationstalent. Auch ist sie so von der Welt verlassen, wie ich es kaum je gesehen habe, außer fritz schwarzenberg und constant Palfy, welcher letztere doch wirk- lich keine ressource ist, geht beynahe niemand zu ihr, nur hélène Würtem- berg fand ich neulich dort, und diese ist wahrhaftig eine der lächerlichsten Personnagen Wiens. überhaupt halten sehr wenig frauen den Prüfstein einer näheren Be- kanntschaft aus, so z.B. die frau v. ritter, von der man wirklich sagen kann, daß sie eine Wiener celebrität sey, und die doch wahrhaftig nichts weiter ist als eine freundliche lebhafte frau. lichnowsky ist gestern vor 8 tagen nach Bregenz abgereist, um dort das commando einer Brigade zu übernehmen, welche wegen der schweizerge- schichten in vorarlberg zusammengezogen worden ist, es war spaßhaft zu sehen, wie die Wichtigkeit dieser mission mit jedem tage ihm zwischen den fingern einschmolz. Anfangs schien es, als sollte er die ganze eidge- nossenschaft mit haut und haaren auffressen, und lato Wrbna nannte ihn nur den geßler des 19. Jahrhunderts, nach und nach aber wurde er immer kleiner und kleiner, und am ende hätte fürst metternich gerne die ganze observationsarmee contremandirt. o schafskopf! 1 von den sechs töchtern des 1827 verstorbenen graf vincenz Batthyány waren zwei unver- heiratet. 2 Gräfin Marie Henriette Eltz war mit Johann Nep. Sieß, nicht Süß, verheiratet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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