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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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50925. März 1845 Am 15. August geht von hamburg ein schiff ab, das in circa 2 Jahren die reise um die Welt macht und sich an den bedeutendsten Plätzen ziemlich lange aufhält. die ganze reise kostet nur 1800 preußische thaler, und der eigenthümer fordert gelehrte und reiselustige zur theilnahme an der ex- pedition auf.1 man kann sich denken, wie mir dieß im kopfe herumgeht, wäre ich nur um 10 Jahre jünger! oder wären die leute hier weniger spieß- bürgerlich und sähen eine reise wie diese nicht für eine verlorene Zeit an! der arme ferdinand hildprandt ist in venedig gestorben, es that mir wirklich sehr leid um ihn. vorgestern am ostersonntag führte mich Prinz Wasa mit sich in die evangelische kirche, wo ein Pastor Porubski predigte. nie hat ein Prediger einen solchen eindruck auf mich gemacht, was er sagte, war eben so schön wie sein vortrag, er sagte, der wahre himmel, das wahre glück bestünden im Arbeiten, im fortschritte, der stillstand sey tod. es war wirklich eine superbe Predigt, wie sie ein katholischer Pfaffe nie halten wird. gott gebe es, daß die kleinen Anfänge, die sich eben jetzt in den deutsch-katholischen gemeinden zeigen, wachsen und gedeihen, bis in ganz deutschland der katholicismus, dieses gebäude von trug, Aberglauben und knechtschaft ausgerottet ist. die hiesigen litteraten und schriftsteller haben, 99 an der Zahl, eine Petition um milderung der censur verfaßt, welche Bauernfeld an graf ko- lowrat überreicht hat. dieser gab die besten versicherungen, überhaupt scheint dieser schritt der regirung nicht mißfallen zu haben, da selbst die gouvernementalsten männer, z.B. Zedlitz, unterzeichnet haben.2 dagegen praepariren die niederösterreichischen stände eine große Peti- tion wegen Wahrung ihrer ständischen rechte, die krainerischen stände ha- ben ebenfalls eine deputation hergeschickt (darunter Anastasius grün), zu- nächst wohl wegen des neuen grundsteuergesetzes, das sie Alle zu grunde richten droht, in Böhmen und mähren werden die stände immer krittlicher, in ungarn (Zempliner comitat) ist ein Bauernaufstand, von griechischen geistlichen3 angeführt, etc. – – – und das wundert die hiesigen schafsköpfe. heute erhielt ich durch die Post von unbekannter hand ein numero des Pirata aus mailand, in welchem ein langer Artikel über die erfolge lucile 1 Am 22.5.1845 schreibt Andrian, dass dieses vom hamburger reeder robert miles sloman betriebene Projekt mangels teilnehmer abgesagt wurde. 2 Andrian veröffentlichte diese „denkschrift über die gegenwärtigen Zustände der censur in oesterreich“ im Anhang des 2. Bandes seines oesterreich und dessen Zukunft. vgl. auch eintrag v. 30.4.1845. 3 gemeint sind geistliche der orthodoxen (griechischen) kirchen, in diesem fall im nordun- garischen komitat Zemplén (heute größtenteils in der slowakei) ethnische ruthenen (uk- rainer), die meist der griechisch-katholischen (unierten) kirche angehörten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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