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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 513 -
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51330. April 1845 Palfy wohnt und 14 tage da bleiben wird. Am 2. kömmt Jetti [neipperg] mit ihrem manne von fulnek. neulich führte ich castle zu marie lobkowitz, um ihr phrenologisches examen zu machen. Alfred neipperg diente ihm als sekretär, und ich assistirte. die Analyse ihres charakters, welche er später und zu hause machte, halte ich für außerordentlich gelungen. Auch bey der reviczky brachte ich einen der letzten Abende mit ihm zu. margarite ante porcos [sic].1 die frau ist zu dumm, um etwas Anderes zu fassen als eine ekelhafte sentimentalität. überhaupt wundere ich mich selbst darüber, daß ich jetzt, ohne im ge- ringsten von der apodictischen gewißheit der Phrenologie als Wissenschaft durchdrungen zu seyn, dennoch mit ihr viel mehr in Berührung komme und mich durch sie mehr angesprochen fühle, als je zuvor, es mag seyn, daß fourier, den ich noch immer mit steigender Bewunderung lese, mich dafür empfänglicher gemacht hat. Aber selbst jene empfänglichkeit für fourier ist auf eine Weise über mich gekommen, welche mir jetzt noch unerklärlich ist. Doch übt sie einen bedeutenden, beruhigenden und stärkenden Einfluß auf mich und erhält mich in einem fortwährenden stillen enthusiasmus, den ich als einen fingerzeig des schicksales betrachte. Zum Besten der überschwemmten in Böhmen geschehen fortwährend zahlreiche sammlungen, und vorgestern war ein maskirter Ball im odeon, über 12.000 menschen, heiß und langweilig, meine einzige Aventure war eine Gräfinn Adèle Zichy, die damit anfing, mich um meinen Nahmen zu fragen, und mir dann den ihren sagte. mit dem Balle war eine lotterie ver- bunden, und der magistrat hatte eine Aufforderung erlassen, man möchte unentgeltlich 300 gewinnste einsenden. in Zeit von 8 tagen waren statt 300, 1300 mitunter sehr schöne gewinnste eingelaufen! übrigens hatten wir in Wien selbst eine überschwemmung, und zwar vor 8 tagen in der rossau durch einen Wolkenbruch, welcher kaum 1/2 stunde währte. graf ugarte, gouverneur von mähren, den ich erst neulich hier sprach, ist am 26. plötzlich gestorben. Auch graf czernin ist todt, und gestern war die feyerliche installation des neuen oberstkämmerers moritz dietrich- stein, zu welcher auch ich citirt wurde. neulich hatte ich ein kleines diner bey marmont, aus lauter freunden der carpani in mailand bestehend: Walmoden, haugwitz, Wratislaw, rous- seau, moritz esterhazy und ich. es wurde auf ihre gesundheit getrunken. ich bin jetzt sehr damit beschäftiget, mir eine neue Wohnung bis micheli zu suchen, da ich jetzt (georgi) aus dem traun’schen hause, wo ich seit 15. october wohne, ausziehen muß. ich hatte zwar Josikas Wohnung im casino 1 margaritas ante porcos – Perlen vor die säue.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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