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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 519 -
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5198. Juni 1845 auch noch so glänzend, finde ich einmahl meine Befriedigung nicht, was mich mehr anlacht, als gouverneur zu werden, ist mir einen nahmen, eine persön- liche einflußreiche Stellung zu machen, und mir dadurch einen Einfluß und einen Platz bey den radicalen umänderungen zu sichern, welche doch binnen wenigen Jahren erfolgen müssen. gehe ich wieder in die Provinz, so ist es mit Allem aus. ich gedenke jetzt einen längeren Artikel über thiers’ geschichte des consulates zu schreiben, und ihn hier irgendwo, vielleicht in die Wiener Jahrbücher einrücken zu lassen.1 das soll zuerst die Aufmerksamkeit auf mich lenken. in dieser richtung, so glaube ich, liegt mein Weg. der könig und die königinn von sachsen kommen am 28., sie auf einige Wochen, er nur auf 2 tage, da er eine botanische reise nach den karpathen vor hat. der hof ist zum theile schon in schönbrunn, zum theile geht er in diesen tagen dahin, flore am 28. heute war ich in Penzing bey Justine erdödy, die ich seit 3 Jahren nicht sah. die arme frau ist elend, ich fürchte ohne rettung, sie hat die rückenmarkschwindsucht, doch sieht sie besser aus, als ich dachte. Auch tante fanny saintJulien ist auf einige tage hier. [Wien] 8. Juni es ist auf einmahl in Zeit von 2–3 tagen sommer geworden, und gestern hatten wir 24 grad, ein frühjahr haben wir heuer gar nicht gehabt, der ganze may war kalt, windig und regnerisch, so daß die vegetation erst seit wenig tagen vollkommen entwickelt ist. ich habe nur 2mal im Prater früh- stücken können. das eine mal, vor 8 tagen, trieb mich der Wind und die kälte und gestern die entsetzliche hitze wieder fort. Auch der Prater war mit wenigen Ausnahmen immer leer. Jetzt wird die stadt schon sehr leer. ich habe in diesen tagen wieder wegen meiner Angelegenheiten mit Pillersdorff, inzaghy etc. gesprochen. mein Avancement zum hofsekretair wird sich bis zum herbste verziehen, dann aber wollen sie mich in einer ef- fektiven delegaten- oder gubernialrathsstelle nach italien haben, wo eben jetzt große revirements bevorstehen. torriceni, Paravicini, und Beccaria sind pensionirt, diPauli in verona gestorben, Ansaldi und roner in ve- nedig bereits im kabinette zur Pensionirung angetragen. thurn soll auch nächstens springen (seine stelle wäre noch allenfalls die einzige, welche ich nicht ungern nähme), und Beretta in como und Bozzi in Bergamo sind auch schon überreif. Also soll ich da hinein, wozu ich aber keine große lust habe, und mein trachten geht dernach hier zu bleiben, allenfalls im staatsrathe etc., wo ich mir nach und nach eine stellung machen kann, wie ich sie wün- sche, und von wo aus mir Alles offen steht. denn gouverneur zu werden reizt mich wenig. 1 vgl. dazu eintrag v. 10.10.1845
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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