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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 523 -
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52329. Juni 1845 zu gehen brauche. übrigens fange ich schon an, das ding etwas satt zu be- kommen, zu meinem eigenen verdrusse, denn ich würde viel drum geben, wenn ich einmal so recht verliebt werden könnte, halte es aber nicht mehr für möglich. marie louise ist hier, so auch die königin von Bayern, um der ent- bindung ihrer tochter beyzuwohnen.1 es sollen Bälle etc. in schönbrunn seyn. das sey gott geklagt! Auch erzherzog rainer soll im August kom- men. sonst sind von Bekannten gerade jetzt giovannino serbelloni, Appel sammt nichte etc. hier. Auch robins, horrocks’schen Angedenkens, sah ich neulich hier auf seiner durchreise nach serbien, er ist nähmlich englischer kabinetscourier geworden. meine freundin natalie Palfy ist nach dem rhein abgefahren und zwar mit meinem alten florenzer guignon Baron metzburg! o shocking! mit Welden, der sich ganz außerordentlich um Alle möglichen sehens- würdigkeiten interessirt, war ich neulich im Josephinum, um da die be- rühmten anatomischen Wachspräparate anzusehen, die mich herzlich an- ekelten. ich esse oft bey dommayer in hitzing, und nie allein, neulich aß ich mit fritz schwarzenberg, der mir sein herz ausschüttete, und den ich da für meine Zwecke zu bearbeiten suchte, indem ich ihm etwas mehr practischen Ehrgeitz in politischer Richtung einzuflößen suchte und ihm sagte, er solle eine politische Zeitung gründen. Als etiquette vis-à-vis der regirung wäre sein nahme brauchbar. er aber ist halb mißvergnügter, halb loyal, voll ei- telkeit und dabey von einem leidenschaftlichen, unbegreiflichen Hasse und verachtung gegen Alles deutsche erfüllt. freylich ist er alle tage etwas Anders. Wir beyde kommen nur in einem Punkte überein, und dieses ist sein haß gegen die Bureaukratie. schade um den menschen, er hat viel es- prit, und hier ist jede Art von geist so selten, daß er eine wahre trouvaille ist. leo thun, der seit 1 1/2 monathen hier angestellt ist, hat meinen er- wartungen nicht entsprochen, sein Äußeres ist unangenehm und linkisch, und seinen geist halte ich für ganz gewöhnlicher gattung, übrigens viel Bildung und ein ruhiger ernst. in der letzten nummer der „grenzboten“ steht unter der Aufschrift: des Pudels kern, ein correspondenzartikel aus Prag, worin es ungefähr heißt: Jetzt fangen die folgen des famosen Buches: „oesterreich und seine Zu- kunft“ an, klar zu werden. die ganze deutsche Presse hat sich durch den liberalen Anstrich dieser schrift ködern lassen, und es ist eigentlich der wahre Anfang einer Aristokratenreaction, zu welcher sie Plan und rath- 1 maria theresia, das erste kind von erzherzog Albrecht und hildegard, tochter von könig ludwig i. und königin therese v. Bayern, kam am 15.7.1845 zur Welt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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